stephan geene
bbooksz av | filmproduktion
b_books | buchhandlung + verlag zwischen theorie & praxis
luebbener strasse 14 | 10997 berlin, germany
tel +49-30-36467688 0179 5335789  | fax +49-30-6185810
<mailto:z@bbooksz.de> <
http://www.bbooks.de>



Geschichte und Theorie des Fernsehens

Stephan Geene WS 09/10

Nachklausur  Freitag 26.3.2010 12.15 am bekannten Ort
NOTENLISTE ALS PDF

skripte download
skript0-einleitung
skript1-tv-auflösung
skript2-golden age
skript3-technikgeschichte
skript4-show
skript5-kritik


Freitag 9.10.2009

S 1 Einführung

Als Fernsehen (auch kurz "TV", vom griechisch-lateinischen Kunstwort Television) bezeichnet man zunächst ein Massenmedium, das zentral konzipierte und produzierte audiovisuelle Sendungen unidirektional und synchron an ein disperses Massenpublikum vermittelt.

Unter Fernsehen wird aber ebenso ein sozio-technischer Komplex von Organisationen (öffentlich-rechtliche oder priatwirtschaftliche Sendern) und Techniken (Aufnahme-, Aufzeichnungs-, Produktions-, Sende- und Empfangstechniken) verstanden sowie die Tätigkeit der Zuschauer, die mittels eines Fernsehgeräts fernsehen. Wikipedia


Beispiel 1, Media Markt

mario barth media markt


Beispiel 2: Am laufenden Band und die DDR
Am Knöpfchen gedreht (Artikel, Berliner Zeitung )
TV-Show mit Rudi Carell, Am laufenden Band zwischen 1974 und 1979
amlaufenden band


Beispiel 3, SKY Deutschland Launch + Werbespot "Das Besondere Sehen"

sky



MATERIAL

München, 13.08.2009, 08:33  Blickpunkt:Film | TV
Sky mit Riesenverlusten

Sky-Deutschland-Chef ist mit den Fortschritten seit dem Start der Marke Sky sehr zufrieden
Sky-Deutschland-Chef ist mit den Fortschritten seit dem Start der Marke Sky sehr zufrieden 
Der Bezahlsender
Sky Deutschland hat das zweite Quartal 2009 mit einem Nettoverlust von 365,8 Mio. Euro abgeschlossen. Im Vorjahreszeitraum lag das Minus erst bei 37,8 Mio. Euro. Allein die Umbenennung auf den neuen Firmennamen kostete dem Unternehmen, das früher als Premiere aktiv war, eine Sonderabschreibung in Höhe von 253,9 Mio. Euro.
Aber auch insgesamt laufen die Geschäfte des Pay-TV-Senders alles andere als rund: Der Umsatz ging von 252,1 Mio. Euro auf 230,6 Mio. Euro zurück. Das Ebitda, im zweiten Quartal des Vorjahres noch mit 11,6 Mio. Euro im Plus, verwandelte sich in ein Minus von 63,4 Mio. Euro. Ähnlich das Bild bei den Abonnenten: Die Abo-Zahlen gingen im Vergleich zum ersten Quartal des laufenden Jahres um 7.000 auf 2,364 Mio. zurück. Einem Zugewinn von 23.000 Laufzeitabonnenten stand ein Rückgang von 30.000 Flex-Kunden gegenüber.
Senderchef
Mark Williams
sagte zu den Ergebnissen: "Wir sind sehr zufrieden mit dem Fortschritt, den wir seit unserem erfolgreichen Marktstart am 4. Juli erzielt haben. Die Marke Sky hat schnell einen Bekanntheitsgrad von über 50 Prozent erreicht."
Sky bestätigte den Ausblick für 2009 und die Folgejahre und erwartet für das laufende Jahr einen negativen Cash-Flow im Bereich von 250 bis 275 Mio. Euro. und ein "deutliches Ebitda-Minus". Der Break-even wird für das vierte Quartal 2010 bei drei bis 3,4 Mio. Abonnenten in Aussicht gestellt.


Literaturliste (vorläufig)

T.W.Adorno, Prolog zum Fernsehen
Baudrillard, Requiem für die Medien, in: Kool Killer, Berlin 1979
Baudrillard, Realität und Simulation
Marshall McLuhan, div.
Tania Modleski, Die Rhythmen der Rezeption. in: Adelmann u.a., Grundlagentexte zur Fernsehwissenschaft, Konstanz 2001
Siegler, Bewusstseinsindustrie
Avital Ronell, in: Baer u.a. Niemand zeugt für den Zeugen, Frankfurt
Maurizio Lazzarato, Videophilosophie, Berlin 1999



Freitag 16.10.2009

S 2 TV im Moment seiner Auflösung 
Ist das Ende von Fernsehen der Anfang von Geschichte und damit ein historischer Moment?


Es geht um eine Standortbestimmung des Fernsehens, um ein Aufzeichnen, wie weit TV, das Fernsehen, sich heute bereits in seiner eigentlichen Form aufgelöst hat, wie weit es in dieser Auflösung fortgeschritten ist.
Vor dem Hintergrund dieser Auflösung wird es in S 3/4 darum gehen, genauer beschreiben zu können, was da niedergegangen ist, welche >Größe< da eigentlich verschwunden ist.

Winnenden

http://www.youtube.com/watch?v=GQD6zedOcrI
http://www.youtube.com/watch?v=Tf6k5CoxkzA&NR=1
, Tim K. Die wahren Täter (Fotos mit Musik)
http://www.youtube.com/watch?v=LSdvHPtpzE4&NR=1
allgemeiner breicht zdf
http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/suedwild/tagesthema-amoklauf-winnenden-ID1236773029789.xml
http://www.stern.de/digital/online/amoklauf-von-winnenden-das-internet-verplappert-sich-657495.html

statistik
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/4868/umfrage/traeger-groesster-schuld-an-amoklaeufen/


Twitter/YouTube und die andere Arbeit

http://www.sueddeutsche.de/kultur/726/484166/text/

Brechts Radiotheorie, Enzenberger Baukasten zu einer Theorie der Neuen Medien 1970

In der heutigen Gestalt dienen Apparate wie das Fernsehen oder der Film deswegen nicht der Kommunikation sondern ihrer Verhinderung. Sie lassen keine Wechselwirkung zwischen Sender und Empfänger zu: technisch gesprochen, reduzieren sie den feedback auf das systemtheoretisch mögliche Minimum.“

– Kursbuch 20/1970: 160



Freitag 23.10.2009  

S 3
Das
golden age des TV, die Familie

family

Eine amerikanische Familie beim Fernsehen, ca. 1958


Das Versandgeschäft Quelle geht in die Insolvenz:
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video589168.html

Als der NWDR Weihnachten 1952 ganz offiziell den Fernsehbetrieb aufnahm, verbindet sich Enthusiasmus bereits mit familiären Gefühlen und Kaufinteressen:

Wir versprechen Ihnen, uns zu bemühen, das neue geheimnisvolle Fenster in ihrer Wohnung, das Fenster zur Welt, Ihren Fernsehempfänger, mit dem zu erfüllen, was Sie interessiert, Sie erfreut und Ihr Leben schöner macht... Es kommt auf uns an, ob dieses technische Mittel schadet oder nützt. Ich meine, wir könnten mit ihm die Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen vermehren, und wir sollten es dazu benutzen, das grosse Wunder des Lebens im Reichtum seiner Formen und Inhalte anzuschauen und zu erkennen... Das Fernsehen schlägt Brücken von Mensch zu Mensch, von Völkern zu Völkern. So ist es wohl wirklch das richtige Geschenk, gerade zu Weihnachten...“ Ansprache des Intendanten Werner Pleister. (in TvS, S.33)


Der BR führte als erster Sender 1956 Werbung ein.
Erste Werbung, Persil mit Liesl Karlstadt und Beppo Brehm:
http://www.youtube.com/watch?v=s2iVRi0_EDg







reed
donna reed show, trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=2ftKJe96N28
http://www.youtube.com/watch?v=QbYinGSrpxc&NR=1
trailer dallas mit donna reed, http://www.youtube.com/watch?v=1aJpwA0n5SU



best

opening season 1 1954): http://www.youtube.com/watch?v=-D27Gj0rIpE&NR=1

opening season 3: http://www.youtube.com/watch?v=BiW1gxgOsSU&NR=1

opening season 6: http://www.youtube.com/watch?v=8_uRQI_9sD4&NR=1

http://www.youtube.com/watch?v=4Y1__b6uyxg



Married....with Children (Fox, 1987-1997) dt.: Eine schrecklich nette Familie

http://www.youtube.com/watch?v=EpIvvU9XYYk

http://www.youtube.com/watch?v=U2aNgO_gSVQ&NR=1





Freitag 30.10.2009
S4
Das
golden age des TV und Familie (Forts.)


VORSPANN: Lektüre einer Ausgabe der Berliner Zeitung vom 28.10.2009

Berliner Zeitung, Seite 1
Sat. 1, das Klo und der Endkunde Der Fernsehkonzern ProSiebenSat. 1 will die Zuschauer künftig mit einer Nutzungsgebühr zur Kasse bitten

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1029/seite1/0073/index.html

Berliner Zeitung, Seite 3
Der Mann von gestern
Im Film kehrt Michael Jackson noch einmal auf die Erde zurück. Er bereitet einen neuen Rekord vor und ist dabei, der erste virtuelle Star zu werden
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1029/seite3/index.html?ressort=Seite+3

Alte Medien/Neue Medien/ Der Begriff der (bürgerlichen) Öffentlichkeit



FAMILIE/NÄHE (Fortsetzung)

Jene fatale ,Nähe' des Fernsehens, Ursache aus der angeblich gemeinschaftsbildenden Wirkung der Apparate, um die Familienangehörige und Freunde, die sich sonst nichts zu sagen wüßten, stumpfsinnig sich versammeln, befriedigt nicht nur eine Begierde, vor der nichts Geistiges bestehen darf, wenn es nicht in Besitz verwandelt, sondern vernebelt obendrein die reale Entfremdung zwischen Menschen und zwischen Menschen und Dingen.”  Adorno, Prolog fürs Fernsehen 1952/53



Nicholas Ray, Rebel without a cause (USA 1955) mit James Dean und Natalie Wood

rebel       rebel



Literatur: Geschichte der Kindheit, Philippe Ariès, München 1975 (Original 1960)






Freitag 6.11.2009

S 5 Ist Technikgeschichte Kulturgeschichte? 
Ein kurzer Abriss über die Geschichte des Fernsehens vor dem 2. Weltkrieg


ein am Orte A befindliches Objekt an einem beliebigen Orte B sichtbar zu machen“
(aus der Patentschrift 'Elektronisches Teleskop' von Paul Nipkow 1884 beim kaiserlichen Patentamt in Berlin)


nipkowtv geglueckt
Paul Nipkow
Nipkow-Prinzip: http://www.fernsehmuseum.info/fernsehgeschichte06.html


  tv   fese  

Die Auflösung (Zeilenanzahl) der ersten Fernsehbilder zwischen 1929 und 1934 (30/48/60/90/180)
aufloesungen


ende

ikonoskopikonoolympia
ikonotelefunken

rakete

Gleitbombe Henschel 293, in der Spitze eine Kamera, am Heck eine Antenne

William Uricchio, Medien Simultaneität, Konvergenz, Kultur und Technologie im Zeitalter von Intermedialität
in: Adelmann u.a., Grundlagentexte zur Fernsehwissenschaft, Konstanz 2001, S. 281-309


Hans Magnus Enzensberger,
Baukasten zu einer Theorie der Medien (1970)
[Auszug] http://www.medienkunstnetz.de/quellentext/51/





Freitag 13.11.2009

S 6 Die ewige Gegenwart – Die TV-Show 

[Nachtrag, das Ende des Fernsehens: http://www.worldscreen.com/articles/display/23266
http://www.newzealand.com/travel/trade/whats-happening/news/2009/september/backpackers-urged-to-go-all-the-way.cfm

Endemol, die Erfinder von BigBrother u.v.a, weiltweit 2. grösster Hersteller von Show-Formaten, starten ein neues Format, eine Soap, die auf facebook und anderen sozialen Netzwerken spielt.]

Talk Show / Late Night

us-amerikanische Vorbilder
Talk Show in Deutschland, Harald Schmidt
TV Total (Stefan Raab)
=> Das Gesicht/ Die Ansprache/ Die Persona/ Live/ Fernsehen in der Form des Präsenz

Die Fernsehshow arbeitet seit ihren Anfängen immer perfektere Ereignisräume aus, um das Unmögliche zu inszenieren: die Umarmung von Sender und Zuschauer; der Bruderkuss von Kandidat und Moderator, die sich als Kinder des gleichen künstlichen Welten erkennen. Der Kandidat, das traumhafte Doppel von jedermann, bewegt sich durch diesen Kanal zwischen Institution und Intimität und gewährleistet die erwünschte Rückspiegelung der beiden gekoppelten Räume. Der Moderator steuert zur ereignishaft aufgebauten Situation der Spiel-, Quiz, und Unterhaltungsshow das Element der Übertragung und Wiederholbarkeit bei, das alle intimen Beziehungen benötigen.“ Fernsehshows, Theorie einer neuen Spielwut, 1991, S. 8


Stimulus-Response- (S-R-) oder Reiz-Reaktions-Modell

Nutzen- und Belohnungsansatz (Uses and Gratifications Approach,
Uses-and-Gratifications-Ansatz oder Theorie der selektiven Zuwendung)

Donald Horton und R. Richard Wohl analysieren schon 1956 in den USA Massenkommunikation als 'parasoziale Interaktion' und thematisieren Intimität und Distanz. Sie schlagen vor, eine „scheinbare Face-to-face-Beziehung zwischen Zuschauer und Performer eine parasoziale Beziehung zu nennen.“ (Horton/Wohl, in: Grundlagentexte, 74).

Sie ersetzen den Performer durch den Moderator und entwickeln diese Position und Figur als 'Persona'.

Was die Persona vor allem anbietet, ist eine dauerhafte Beziehung. Ihre Erscheinung ist ein regelmässiges und verlässliches Ereignis, auf das man zählen, das man einplanen und in sein tägliches Leben miteinbeziehen kann.“ (77)

Unter „Das Band der Intimität“: „Der Zuschauer soll den Eindruck gewinnen, dass alles, was in der Sendung passiert, im Moment der Aufführung eine Eigendynamik hat. Deshalb weist Steve Allen sein Publikum immer darauf hin, dass „wir nie wissen, was in dieser Show passieren kann“.“ (79)




viele schmidts


schmidtss+p


beckmannbei beckmann

pocherpocherpocher       baby


kernerkernerkerner


raabraabraabplakat


Die Fernsehshow arbeitet seit ihren Anfängen immer perfektere Ereignisräume aus, um das Unmögliche zu inszenieren: die Umarmung von Sender und Zuschauer; der Bruderkuss von Kandidat und Moderator, die sich als Kinder des gleichen künstlichen Welten erkennen. Der Kandidat, das traumhafte Doppel von jedermann, bewegt sich durch diesen Kanal zwischen Institution und Intimität und gewährleistet die erwünschte Rückspiegelung der beiden gekoppelten Räume. Der Moderator steuert zur ereignishaft aufgebauten Situation der Spiel-, Quiz, und Unterhaltungsshow das Element der Übertragung und Wiederholbarkeit bei, das alle intimen Beziehungen benötigen.“ Fernsehshows, Theorie einer neuen Spielwut, 1991, S. 8




Freitag 20.11.2009

S8 Kritik und Gegenkritik 

Ideologie, Adorno (Prolog zum Fernsehen)
Bewusstseinsindustrie


Rückkehr der frankfurter Schule
http://www.zeit.de/2009/45/Frankfurter-Schule?page=1


T.W. Adorno, Prolog zum Fernsehen, 1953:

"...Euphorie im Unglück. Die meisten der herrschenden Bedürfnisse, sich im Einklang mit der Reklame zu entspannen, zu vergnügen, zu benehmen und zu konsumieren, zu hassen und zu lieben, was andere hassen und lieben, gehören in diese Kategorie falscher Bedürfnisse." Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch, 1965 (S.25)

Erst das Zusammenspiel all der aufeinander abgestimmten und dennoch nach technik und Effekt voneinander abweichenden Verfahren macht das Klima der Kulturindustrie aus. Daher fällt es den Soziologen auch so schwer zu sagen, what television does to people.“ (70)

Eher werden die Menschen ans Unvermeidliche fixiert als verändert. Vermutlich macht das Fernsehen sie nochmal zu dem, was sie ohnehin sind. Das entspräche der wirtschaftlich begründeteten Gesamttendenz der gegenwärtigen Gesellschaft, in ihren Bewusstseinsformen nicht länger über sich selber, den status quo hinauszugehen, sondern diesen unablässig zu bekräftigen und, wo er etwa bedroht dünkt, wiederherzustellen. Der Druck, unter dem die Menschen leben, ist derart angewaychsen, dass sie ihn nicht ertrügen, wenn ihnen nicht die prekären Leistungen der Anpassung, die sie einmal vollbracht haben, immer aufs neue vorgemacht und in ihnen selber wiederholt würden.“ (70)

Heimkino(s). Auch sie wird eine Tendenz der gesamten Kulturindustrie verstärken: die zur Herabsetzung der Distanz von Produkt und Betrachter, im wörtlichen und übertragenen Sinn. Sie ist wiederum ökonomisch vorgezeichnet. Was die Kulturindustrie liefert, empfiehlt sich allein schon durch die in Amerika eingestandene Reklamefunktion als Ware, als Kunst für den Konsumenten; wahrscheinlich in geradem Verhältnis zu dem Mass, in dem sie duch Zentralisierung und Standardisierung dem Konsumenten aufgezwungen ist. (..) als eine Gefälligkeit (..) Sie sollen seinem grauen Alltag Glanz spenden und doch ihm selber wesentlich gleichen: sie sind so vorweg vergeblich. Was anders wäre, ist unerträglich, weil es an das erinnert, was ihm versagt ist. Alles erscheint, als gehöre es ihm, weil er selber sich nicht gehört. er muss sich nicht einmal mehr fortbewegen, um ins Kino zu kommen (..) Die bedrohlich erkaltete Welt kommt zutraulich zu ihm, als wäre sie ihm auf den Leib geschrieben: er verachtet sich in ihr. Distanzlosigkeit, die Parodie auf Brüderlichkeit und Solidarität, hat dem neuen Medium sicherlich zu seiner unbeschreiblichen Popularität mitverholfen.“ (72f)

Die Grenze zwischen Reallität und Gebilde wird fürs Bewusstsein herabgemildert. Das Gebilde wird für ein Stück Realität, eine Art Wohnungszubehör genommen, das man mit dem Apparat sich gekauft hat, dessen Besitz ohnehin unter Kindern das Prestige erhöht. Schwerlich ist es zu weit hergeholt, dass umgekehrt die Realität durch die Fernsehbrille angeschaut, dass der unterschobene Sinn des Alltags auf diesen zurückgespiegelt wird.“ (73f)


T.W.Adorno, Fernsehen als Ideologie, 1953:

Der Pseudorealismus des Spiels ist nicht so so einfacher Art, dass die Konterbande wie die Selbstverständlichkeit des Verbrechens ins Bewusstsein des Publikums geschmuggelt würde. Pseudorealistisch ist vielmehr die inwendige Konstruktion der Handlung. Der psychologische Prozess der vor Augen gestellt wird, ist erschwindelt – phony. mit einem Wort, für das es schlechterdings kein deutsches Äquivalent gibt.“ (91)

Denn dass nichts von ihren Erzeugnissen ernst, alles bloss Ware und Unterhaltung sei, schreckt die Kulturindustrie nicht. Sie hat daraus längst ein Stück der eigenen Ideologie gemacht. Unter den analysierte Manuskripten finden sich nicht wenige, die mit dem Bewusstsein spielen, Kitsch zu sein, und dem unnaiveren Betrachter zuzublinzeln, sie glaubten sich selber nicht, sie seien selber nicht so dumm; ihn gewissermassen ins Vertrauen ziehen, indem sie seiner intellektuellen Eitelkeit schmeicheln. Aber eine Schandtat wird dadurch nicht besser, dass sie sich als solche deklariert, und so muss man schon dem Unfug die Ehre antun, die er sich selbst verweigert, und ihn bei dem Wort nehmen, das in die Zuhörer einsickert.“ (95)

Es liesse sich eine Art von Impfung des Publikums gegen die vom Fernsehen verbreitete Ideologie und die ihr verwandten denken.“ (97)



Hans Weingartner
Free Rainer – Dein Fernseher lügt (2007), engl Titel: Reclaim your brain
Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=9eO6R5un9Yk

free rainer rainer


DIedrich Diedrichsens Kritik  an Free Rainer http://www.filmzentrale.com/rezis/freerainerdd.htm





Freitag 27.11.2009

S9  Kritik und Gegenkritik 
Kritik des Spektakels bei der Situationistischen Internationale (Paris)
bis zu anderen Subkulturen wie der Punks

[Referat,Architektur und Fernsehen, Natalie Plätzer und Olga Lorenz]

Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels
(orig. La Societé du spectacle, Paris 1967)
buch

http://www.ubu.com/film/debord_spectacle.html


boredom       mai68   nous


mai   travail




Freitag 4.12.2009

S10 Kritik und Gegenkritik

Walter Benjamin
Marshall McLuhan

[ Referat: Anna-Lena Brandt & Maximilian Roloff,  Fernsehen und Internet-TV]




Walter Benjamin (1892 - 1940)

b  bb   bb   bb



Marshall McLuhan (1911-1980)

mc luhan

Heute ist Fernsehen das wichtigste der elektronischen Medien, weil es in beinahe jeden Haushalt eindringt und dabei das Zentralnervernsystem jedes Zuschauers ausweitet, indem es den gesamten Sinnapparat durcheinanderbringt und mit einer ultimativen Botschaft neu formt. Vor allem das Fernsehen ist dafür verantwortlich, dass die Vorrangstellung der Visualität zu Ende geht, die für alle mechanischen Technologien charakteristisch war – auch wenn all anderen elektronischen Medien dabei zusätzlich eine Rolle gespielt haben.“ (McLuhan, in: Absolut McLuhan, S. 19)

"Der Betrachter wird zum Brennpunkt des Fernsehgeräts" (S. 20)

>THE MEDIUM IS THE MESSAGE<

media (1964)       massage  (1967)


McLuhan Zitate :

With telephone and TV it is not so much the message as the sender that is
“sent.”

We look at the present through a rear-view mirror. We march backwards into
the future.

The car has become the carapace, the protective and aggressive shell, of urban and suburban man.

People don’t actually read newspapers. They step into them every morning like a hot bath.

The road is our major architectural form.

Today the business of business is becoming the constant invention of new business.

News, far more than art, is artifact.

When you are on the phone or on the air, you have no body.

Tomorrow is our permanent address.

All advertising advertises advertising.

The answers are always inside the problem, not outside.

Camp” is popular because it gives people a sense of reality to see a replay of their lives.

This information is top security. When you have read it, destroy yourself.

When a thing is current, it creates currency.

Food for the mind is like food for the body: the inputs are never the same as the outputs.

The future of the book is the blurb.

A road is a flattened-out wheel, rolled up in the belly of an airplane.

At the speed of light, policies and political parties yield place to charismatic images.

I may be wrong, but I’m never in doubt.”

Copyright © 1986, McLuhan Associates, Ltd.



annie hall

Mashall McLuhan in Woody Allens 'Annie Hall' (1977)
Szene bei YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=OpIYz8tfGjY&feature=related

Kurzeinführung:
http://www.youtube.com/watch?v=A7GvQdDQv8g

CBTV: http://www.youtube.com/watch?v=l9zH6z9pm8k&feature=fvw

replay, consumer as producer:
http://www.youtube.com/watch?v=gfS4HFcPJWU

onThe Ttoday Show, Interviewed by Tom Brokaw and Edwin Newman the morning after the Carter/Ford Debate, September 24, 1976.
http://www.youtube.com/watch?v=ZF8jej3j5vA&feature=related

McLuhan Reenactment:
http://www.youtube.com/watch?v=RtycdRBAbXk&feature=related

MadMen, Medium is the message
http://www.youtube.com/watch?v=eteErs0GCBQ&feature=fvw

McLuhans Wake
http://www.youtube.com/watch?v=faK9HUvH2ck&feature=fvw



Freitag 11.12.2009

S10 Diskussion eines Textes

Jean Baudrillard, Requiem für die Medien

    cover                           kool


text, download Requiem für die Medien

Nachruf Jean Baudrillard in Die Zeit, 7.3.2007


http://de.wikipedia.org/wiki/Mai_68#Vorbedingungen




Freitag 18.12.2009

S 11 Das History-Event und die
Frage nach Realität und Simulation 1

DIE WELT (globalität), Eventübertragung, Nachrichten
Mondlandung 1969 und Vietnam-Krieg


truman   treppe

The Truman Show, 1998, Peter Weir

Das Genre 'Mockumentary'
'Landesweite Bekanntheit erlangte Orson Welles durch das Hörspiel War of the Worlds nach der Vorlage des Science-Fiction-Romans Krieg der Welten von H. G. Wells, das am Halloween-Abend 1938 ausgestrahlt wurde. Diese fiktive Reportage soll bei ihrer Erstausstrahlung am 30. Oktober 1938 an der Ostküste der USA eine Massenpanik ausgelöst haben – ob dies tatsächlich oder nur laut Medienberichten so war, ist umstritten.' [Wikipedia}

Kubrick, Nixon und der Mann im Mond (fake doku) 1-6


tv  mondlandung  mond 

mondlandung aufnahmen
http://www.youtube.com/watch?v=B882w2gC22s&NR=1


tv  tv  tet  life

  protest  erschiessung  tv

Vietnamkrieg und Fernsehen (englisch)

Jean Baudrillard, Politik und Simulation


[Referat :Jasmin Mahler, Neo Niemann, Geschichtlicher Ablauf des Musiksenders Mtv (inkl. dem wirtschaftlichen Aspekt)]






Freitag 8.1.2010

S 12 Das History-Event und die Frage nach Realität und Simulation 2




Gil Scott-Heron / The Revolution will not be Televised

kttkk | MySpace Video



# Der Mauerfall in Berlin, November 1989

# Die rumänische Revolution, von 16.-27.12.1989

http://de.wikipedia.org/wiki/Rum%C3%A4nische_Revolution_1989

# Der sog. 2. Golfkrieg, am 17.1.1991 beginnt der Luftkrieg gegen Bagdad, 12.4. Wafenstillstand

# Der Anschlag auf Pentagon und World Trade Center in New York am 11.9.2001

# Krieg gegen die Taliban in Afghanistan, ab 7.10.2001 bis heute

# Der sog. 3. Golfkrieg, 20.3.2003 bis heute




Freitag 15.1.2010

S13 Das Ende der Arbeit und die Verwertung des Lebens 1

[Referat : Katharina Reimerz und Alexander Kaiser, Thema Talkshow]


Die Eliten in Wirtschaft und Politik sind nicht abzubringen von dem Gedanken der Arbeit für alle. Infolgedessen sind sie seltsam farbenblind für das Ausmaß der Hoffnungslosigkeit, das sich in den Überflüssigen-Ghettos ausbreitet, die sich von einer Existenzsicherung durch Erwerbsarbeit abgeschnitten sehen. Sowohl linke wie auch rechte Parteien, neue und alte Sozialdemokraten, Neoliberale und Sozialstaatsnostalgiker wollen nicht wahrhaben, dass sich unter den Bedingungen des jobless growth Arbeit längst von einem ¸¸großen Integrator" in einen Mechanismus der Ausgrenzung verwandelt hat.“ Ulrich Beck Süddeutsche Zeitung 15.11.2005

"Beginnen wir mit der Seite des ›Lebens‹. In der zweiten Halfte des 20. Jahrhunderts wurde das Leben der Kunst tatsachlich immer ahnlicher, und das in dreierlei sich genau unterscheidenden Weisen; in der westlichen Welt ist das Alltagsleben in nahezu allen seinen Aspekten unter das Regime des Stils gefallen, meist als Folge der unaufhorlichen Asthetisierung (um einen Begriff Benjamins zu verwenden) oder der Kommodifizierung (um einen marxistischen Begriff zu verwenden). Aber in der Form von Design ist dieser Wille zum Stil sehr viel mehr geworden als wahlweise Asthetisierung oder Kommodifizierung: Er ist zum genauen Begriff unserer Selbstbestimmung, unseres Selbstbezugs als Individuen und als politisches Kollektiv geworden: Wir wollen uber unsere Leben Kontrolle haben, indem wir ihm Form und Design geben, wir wollen es nicht nur so lange wie moglich ›erhalten‹, sondern verbessern, maximieren, optimieren. Folgt man dieser Foucault’schen Linie, so liese sich sagen: Die ≫Sorge um sich≪ wird zunehmend neu formuliert als ›Sorge um das zukunftige Selbst‹ — ein nach vorn gerichtetes Unternehmen, in dem die personliche Ethik so weit zu einer Art selbst-›dienendem‹ Unternehmertum wurde (dem die Idee der res publica, eines offentlichen Raums, geopfert wurde), dass die ›Regierungsgeschafte‹ in vielen westlichen Landern in praktisch nichts anderem mehr bestehen als Gesundheitsreform und Pensionssicherung. Zweitens hat der Begriff Design, wenn er an das Konzept der Technik geknupft ist, eine alles durchdringende Ausstrahlung, nicht nur in der Sphare der ›Sozialtechnologien‹, der ›Planung‹ oder der personlichen Lifestyle-Entscheidungen". aus: Thomas Elsässer, Kon struktive Instabilit, Das Leben der Ding als Nachleben des Kinos?, in Film Avantgarde Biopolitik, Wien 2009




Freitag 22.1.2010
S14 Das Ende der Arbeit und die Verwertung des Lebens 2

[Referat: Anke Dieckmann und Maria Bramke, "Kartographie in den Medien" ]



Website zur Hausarbeit von Naamah Richter
Doku-Soaps und Reality-TV/Echtmenschenfernsehen oder doch nur simulierte Realität?
http://www.erdbeerwelt.com/tv.html

Die TV-Sendung "Afghan Star" ist nach dem Muster von Deutschland sucht den Superstar gemacht und war in Afghanistan ein grosser
Hit. Daoud Sediqi war sein Erfinder und lange sein Moderator.
www.tagesschau.de/ausland/kabul34.html
http://www.cicero.de/97.php?ress_id=9&item=4522


auch:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0513/politik/0018/index.html



und parallel: gross angelegter Angriff auf die afghanische Regierung durch mehrere Selbstmordattentäter
http://www.morgenpost.de/printarchiv/titelseite/article1241450/Kabul-Taliban-attackieren-Karsais-Palast.html


Precarious Life, Judith Butler (dt: Gefährdetes Leben, Frankfurt/M. 2005)

"Die Forderung nach einem wahrhaftigeren Bild, nach mehr Bildern, die den ganzen Schrecken und Wirklichkeit des Leidens übermitteln, ist wichtig und angebracht. Die Tilgung dieses Leidens durch das Verbot von Bildern und Darstellungen grenzt allgemeiner betrachtet die Sphäre der Erscheinens ein, den Bereich dessen, was wir sehen und was wir wissen können. Es wäre aber ein Fehler, zu glauben, wir müssten lediglich die richtigen und wahren Bilder finden und dann werde eine bestimmte Wirklichkeit schon übermittelt. Die Wirklichkeit wird nicht von dem vermittelt, was im Bild dargestellt wird, sondern dadruch, dass die Darstellung, welche die Realität übermittelt, in Frage gestellt wird." (S. 173)



Freitag 29.1.2010
S15 Die us-amerikanische TV-Serie 'Madmen'


[Referat Die Entwicklung des Fernsehens und des Films, Sarah Weiß, Ulrike Reichelt, Sabrina Prodlik , John Rohloff, Kirsten Kropf]
[Besprechen der Hausarbeit:
C. Wiggert, Gesellschaftliche Auswirkungen der Simpsons]

mad menmad menpostermad menofficehome


http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,579152,00.html

kodak carousel
http://www.youtube.com/watch?v=R2bLNkCqpuY


Freitag 5.2.2010 
S16 Klausurvorbereitung

Freitag 12.2.2010
S17 Klausur