S 3/ S4
Das
golden age des TV, die Familie

family

Eine amerikanische Familie beim Fernsehen, ca. 1958


"Im Dezember 1949 wurde die beliebte Radio-Comedy-Show >Easy Aces<  zum erstenmal als TV-Show auf dem Kanal Du Mont network ausgestrahlt. Die Episode bestand vollständig
aus Goodman Ace und seiner Frau Jane, die in ihrem Wohnzimmer sitzen und fernsehen. Das Interessante kam ausschliesslich aus den witzigen Kommentaren zu den Programmen, die sie schauten. Abgesehen davon gab es keine Handlung. Das war Fernsehen, rein und einfach. Es war einfach das Gefühl, mit den Aces zusammen zu sein, ihnen zuzuschauen, wie sie schauen, aber auch mit ihnen zusammen fernzusehen, das dieser Sendung ihre besonderen Stil gab."
Lynn Spigel, The Suburban Companion: Television and the Neighborhood Ideal in Postwar America, in : Beatriz Colomina, Sexuality and Space, Princeton 1996


Als der NWDR Weihnachten 1952 ganz offiziell den Fernsehbetrieb aufnahm, verbindet sich Enthusiasmus bereits mit familiären Gefühlen und Kaufinteressen:
Wir versprechen Ihnen, uns zu bemühen, das neue geheimnisvolle Fenster in ihrer Wohnung, das Fenster zur Welt, Ihren Fernsehempfänger, mit dem zu erfüllen, was Sie interessiert, Sie erfreut und Ihr Leben schöner macht... Es kommt auf uns an, ob dieses technische Mittel schadet oder nützt. Ich meine, wir könnten mit ihm die Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen vermehren, und wir sollten es dazu benutzen, das grosse Wunder des Lebens im Reichtum seiner Formen und Inhalte anzuschauen und zu erkennen... Das Fernsehen schlägt Brücken von Mensch zu Mensch, von Völkern zu Völkern. So ist es wohl wirklch das richtige Geschenk, gerade zu Weihnachten...“ Ansprache des Intendanten Werner Pleister. (in TvS, S.33)


Der BR führte als erster Sender 1956 Werbung ein.
Erste Werbung, Persil mit Liesl Karlstadt und Beppo Brehm:
http://www.youtube.com/watch?v=s2iVRi0_EDg




tv

Alltag im Nachkriegsdeutschland: Familie Schölermann

Die erste Familienserie, die im deutschen Fernsehen lief, hieß "Unsere Nachbarn heute Abend: Familie Schölermann" und sorgte von Beginn an für öffentliche Diskussionen. Von 1954 bis 1960 lief die Serie jede zweite Woche und sollte das Leben einer deutschen Durchschnittsfamilie so realistisch wie möglich zeigen. Demnach drehte sich das Leben der Schölermanns um Alltagsfragen und -probleme im Wirtschaftswunderland wie Arbeitsplatzwechsel, Umzug oder den Kauf eines neuen Fernsehers. Angeregt diskutierten die Zuschauer damals darüber, ob so wirklich die normale deutsche Familie aussehe.

Die Serie war für damalige Verhältnisse sehr erfolgreich. Rund 50.000 Fernsehgeräte wurden pro Folge eingeschaltet. Viel mehr Fernsehgeräte gab es Mitte der 50er Jahre nicht. Schätzungsweise versammelten sich rund 500.000 Menschen vor den Fernsehern, wenn eine Folge lief. Und immer am Ausstrahlungstag stieg die Zahl der verkauften Fernseher auffallend an.

http://www.youtube.com/watch?v=Z_q5KDQXiag






reed
donna reed show, trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=2ftKJe96N28
http://www.youtube.com/watch?v=QbYinGSrpxc&NR=1
trailer dallas mit donna reed, http://www.youtube.com/watch?v=1aJpwA0n5SU



best

http://www.youtube.com/watch?v=4Y1__b6uyxg



Married....with Children (Fox, 1987-1997) dt.: Eine schrecklich nette Familie
http://www.youtube.com/watch?v=EpIvvU9XYYk
http://www.youtube.com/watch?v=U2aNgO_gSVQ&NR=1



FAMILIE/NÄHE

Jene fatale ,Nähe' des Fernsehens, Ursache aus der angeblich gemeinschaftsbildenden Wirkung der Apparate, um die Familienangehörige und Freunde, die sich sonst nichts zu sagen wüßten, stumpfsinnig sich versammeln, befriedigt nicht nur eine Begierde, vor der nichts Geistiges bestehen darf, wenn es nicht in Besitz verwandelt, sondern vernebelt obendrein die reale Entfremdung zwischen Menschen und zwischen Menschen und Dingen.”  Adorno, Prolog fürs Fernsehen 1952/53



Nicholas Ray, Rebel without a cause (USA 1955) mit James Dean und Natalie Wood

rebel       rebel



Literatur: Geschichte der Kindheit, Philippe Ariès, München 1975 (Original 1960)


Fernsehen
"Ähnliche Beispiele gibt es auch im Fernsehen, beginnend bei Frank Lloyd Wright, bis zu TV-Serien über Architektur und dem Einsatz des modernen Hauses als Schauplatz häuslicher Dramen. Wieder einmal war es das Museum of Modern Art, das sich speziell für das Fernsehen interessierte. In Zusammenhang mit dem »Good Design Program« war Edgar Kaufman Jr. 1954 zwei Wochen lang täglich Gast in Margaret Arlens »Morning Show«. Außerdem plante das Museum mit Hilfe einer Produktionsfirma eine Game-Show mit dem Titel »Good Design at the Table«.
Die Medien im Haus Die Art, wie das Haus die Medien besetzt, steht in direktem Zusammenhang damit, wie die Medien das Haus besetzen. Auf der einen Ebene wurde die Architektur des 20. Jahrhunderts durch die medialen Formen, in denen sie präsentiert wurde, transformiert. Auf einer anderen Ebene betrifft das Design des Hauses die Medien selbst. Es ist kein Zufall, daß Peter Blake sein »Pinwheel House« von 1954 als eine Kamera beschreibt: »Die meisten Wohnhäuser sind so gestaltet, daß sie wie eine Kamera funktionieren: eine Schachtel, die auf einer Seite verglast ist, die Glaswand auf die Aussicht gerichtet.« Der Designer glaubte, daß er das Projekt interessanter machen könne, wenn er eine Möglichkeit fände, das Haus für mehr Aussichten zu öffnen und wieder zu schließen. »Denn dieses Haus kann jeder Orientierung angepaßt werden und jeder Aussicht oder einer Kombination von Aussichten, es ist ein universelles Sommerhaus für fast jede Umgebung.« Diese Vorstellung hatte schon Le Corbusier, der das Fenster mit der Kamera gleichstellte und argumentierte, daß man das Haus wie eine Kamera überallhin mitnehmen könne. Le Corbusiers Kamera ist letztlich cinematographisch. Die »Promenade architecturale«, die er für jedes Haus als eine Abfolge von Auf- und Abgängen und verknüpften Räumen choreographierte, hat filmischen Charakter. Auch spezifische Details, wie das horizontale Fenster, sind außerhalb des Kinos undenkbar. Es herrscht ein sehr enges Verhältnis zwischen dem Medienequipment im modernen Haus und dem Haus selbst. Nach einiger Zeit absorbiert die Architektur die Eigenschaften der Medien. Es tauchen Projekte auf, die stark durch die neuen Technologien geformt sind, auch wenn diese Technologien noch nicht installiert sind. Dieses Muster zeichnet sich mit jeder Einführung eines neuen Mediums ab. Nehmen wir das Fernsehen: Buckminster Fuller sagte 1929, sein Haus sei mit den neuesten Entwicklungen der Medientechnologie ausgestattet wie Telefon, Radio, Fernsehen, Plattenspieler, Diktaphon, Lautsprecher, Mikrophone. Das Fernsehen wurde in den USA allerdings erst nach dem Krieg eingeführt. Du Mont und RCA boten ihre ersten Fernseher ab 1946 an, und zwischen 1948 und 1955 kauften fast zwei Drittel der amerikanischen Familien ein Fernsehgerät. Aber im Jahr 1927, dem Jahr, in dem Fuller das Haus entworfen hatte, war der Fernseher zum ersten Mal öffentlich demonstriert worden. Im »Land of Tomorrow« der New York World's Fair 1939 bestaunten die BesucherInnen die übertragenen Bilder des neuen RCA Fernsehempfängers. Die Eröffnung des Pavillons war das erste Nachrichtenereignis, das in den USA vom Fernsehen aufgezeichnet wurde. Zehn Tage später, bei den Eröffnungszeremonien der Messe, hielt Franklin D. Roosevelt als erster amerikanischer Präsident eine vom Fernsehen aufgenommene Ansprache. Im Jahr 1950 wurden in Levittown in Long Island, der berühmtesten industriell gefertigten Vorortesiedlung, die Fernsehgeräte bereits eingebaut angeboten, sie waren in der Wand des vorgefertigten »Cape Cod«-Hauses fix montiert. Das Fernsehen war zum Bestandteil der Architektur des amerikanischen Hauses geworden. Die Einführung des Fernsehers im Haus brachte Unmengen an Literatur und an Diskussionen in der populären Presse über die Reorganisation von Raum innerhalb des Hauses hervor. Heimmagazine gaben endlose Hinweise, wie der Fernseher zu plazieren und wie das Haus in ein »Heimkino« zu verwandeln sei. Zur Diskussion stand die Relation zwischen offenem Kamin, Fernseher und dem Aussichtsfenster - drei Fenster, die miteinander konkurrierten. Der Fernseher hatte den Kamin als Mittelpunkt der Aufmerksamkeit ersetzt und wurde als Konflikt zum Aussichtsfenster gesehen. Es wurde empfohlen, den Fernseher vom Fenster wegzustellen, um Einblicke zu verhindern und Privatheit zu garantieren. Ob jemand fernsieht oder nicht und welches Programm, wurde als absolut private Sache betrachtet. Das Haus in ein Kino zu verwandeln war eine
Möglichkeit der Auseinandersetzung mit der anfänglichen Angst und Unsicherheit über die Grenzziehung zwischen dem televisuellen Raum und dem häuslichen Raum, die auch in populären Magazinen und Filmen thematisiert wurde. Diese Verwandlung des Hauses etablierte eine neue Linie zwischen Öffentlichkeit und Privatheit. Zeitgenössische ArchitektInnen arbeiten noch immer mit Fernsehen und seinem Ableger Video; zum Beispiel die Wohnung von Donna Robertson und Robert McAnulty für die Ausstellung »Room in the City« in der City Gallery, New York, im Jahr 1987. In diesem Projekt wird der Blick des Flaneurs in der Stadt des neunzehnten Jahrhunderts durch das wahllose Zappen durch die Fernsehkanäle ersetzt. Das Fernsehen ist ein Fenster, durch das das Spektakel der Stadt in entspanntem Zustand betrachtet werden kann. Aber in diesem Fenster geht es nicht nur darum, eine Aussicht zu empfangen. Die Satellitenschüssel ermöglicht es dem Haus, seine Intimität nach außen zu übertragen. Ein Heimvideo ist nicht länger ein Video, das man sich zu Hause ansieht, sondern auch ein Video des Hauses, das in der Öffentlichkeit gesehen werden kann. Das Fernsehen bringt nicht nur das Öffentliche ins Private, es überträgt auch das Private in den öffentlichen Raum. Einige ArchitektInnen überdenken das Haus als Teil moderner Technologien, beginnend mit dem Auto. Beim »Slow House« untersuchen Diller+Scofidio die Übergänge von der Windschutzscheibe zum Fernseher und dem Aussichtsfenster. Die Windschutzscheibe und der Bildschirm sind wie Blenden; auch das Fenster. Aber im Gegensatz zu den beiden anderen ist das Fenster unproblematisch, weil architektonisch. Im »Slow House« ist die Unterscheidung von Architektur und Kommunikationssystemen verwischt. Das Haus ist als räumliche Überleitung zwischen dem Auto und der Aussicht konzipiert. Die Struktur der Einfahrtstraße ist zur Garage transformiert, sodaß man nicht einfach von der Straße auf ein traditionell umzäuntes Grundstück gelangt. Windschutzscheibe und Fenster sind ineinander geschoben, neben der Sicht auf den Ozean steht ein Monitor mit der elektronischen Übertragung der Aussicht. Der Status der Aussicht, und somit des Hauses, das sie produziert, wird über die neuen Technologien thematisiert.
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aus: Beatriz Colomina, The Media House