Geschichte und Theorie des Fernsehens
Stephan Geene WS 10/11  Freitag 8.10.2010


Einführung

Als Fernsehen (auch kurz "TV", vom griechisch-lateinischen Kunstwort Television) bezeichnet man zunächst ein Massenmedium, das zentral konzipierte und produzierte audiovisuelle Sendungen unidirektional und synchron an ein disperses Massenpublikum vermittelt.
Unter Fernsehen wird aber ebenso ein sozio-technischer Komplex von Organisationen (öffentlich-rechtliche oder priatwirtschaftliche Sendern) und Techniken (Aufnahme-, Aufzeichnungs-, Produktions-, Sende- und Empfangstechniken) verstanden sowie die Tätigkeit der Zuschauer, die mittels eines Fernsehgeräts fernsehen. Quelle: Wikipedia

Übersicht:
Hilft eine Definition, um zu erklären, was doch ohnehin jeder und jede aus eigener Aunschauung kennt: Fernsehen? Es geht einleitend darum, die Binsenwahrheiten über das Fernsehen zu sammeln und festzustellen, dass an dieser einfachsten Sache der Welt doc h einiges weniger einfach ist. Denn wenn Fernsehen auch so darauf wert legt, dass ALLE es verstehen können und daher oft als primitiv gilt -- und entsprechend ein böser Zeitvertreib -- dann geht es auch darum, diese Schnellurteile zu überdenken. Mario Barth dürfte Vielen als ein besonderer Exponent eines solchen seichten Scherzes sein und ebenso die Nervigkeit der notorischen Media-Markt-Werbungen (Media Markt, Ich bin doch nicht blöd"), und dennoch ist die untenstehende Werbung nicht so simpel wie sie aussieht. Dass man zur IFA, der internationalen Funkausstellung, einer der größten Unterhaltungsmessen der Welt, nicht damit wirbt, die neuesten technischen Gadgets anzubieten, sondern eine neue Werbekampagne, nämlich mit Mario Barth, also für die Verpackung wirbt statt für das Verpackte, das ist schon eine sehr lustige Ironisierung der üblichen testimonials im Fernsehen und bringt auch die interessane Geschichte der IFA (und ihres Wahrzeichens, des Berliner Fernsehturms) seit 1924.

mario barth media markt


Das Fließband, das Rudi Carrell für seine Sendung seit 1974 verwendet, ist ein überaus prägnates Symbol für die Verhältnisse: ein Band, auf dem die Preise (Waren) vor dem Auge der Kandidat/in Parade laufen und doch schnell im NIchts verschwinden: denn nur, was am Ende noch erinnert werden kann, stellt den Gewinn dar und darf behalten werden. Welche Wirkung muss das gehabt haben für Zuschauer/innen in der DDR (die fast überall Westfernsehen empfangen konnten).

Am Knöpfchen gedreht (Artikel, Berliner Zeitung )

TV-Show mit Rudi Carell, Am laufenden Band zwischen 1974 und 1979
amlaufenden band


Der Bezahlsender SKY (Nachfolger von Premiere) tut sich sehr schwer. Er versucht aber noch einmal die Größe des Fernsehens zu beschwären. Interessant an seiner Kampagne ist hier wiederum, dass auch hier nicht tolle Filme oder Shows beworben werden, sondern das eigene Leben selber, das, welches man ohnehin fürht, wird wertvoll gemacht. SKY gehört dann nur irgendwie dazu.

SKY Deutschland Launch + Werbespot "Das Besondere Sehen"

sky




Literaturliste (vorläufig)

T.W.Adorno, Prolog zum Fernsehen und Fernsehen als Ideologie, in: Adorno, Eingriffe, Ffm., 1963
H.M.Enzensberger, Baukasten zu einer Theorie der Medien, in: Günther Helmes (Hg.), Texte zur Medientheorie, Leipzig 2009
Jean Baudrillard, Requiem für die Medien und
Politik und Simulation, in: Kool Killer, Berlin 1979
Marshall McLuhan, Die Magischen Kanäle. Dresden 1995

Lynn Spigel, The Suburban Companion: Television and the Neighborhood Ideal in Postwar America, in : Beatriz Colomina, Sexuality and Space, Princeton 1996 Tania Modleski, Die Rhythmen der Rezeption. in: Adelmann u.a., Grundlagentexte zur Fernsehwissenschaft, Konstanz 2001
Maurizio Lazzarato, Videophilosophie; Berlin 2000
Alexander Kluge, Die Macht der Bewußtseinsindustrie und das Schicksal unserer Öffentlichkeit, in: Bismarck u.a., Industrialisierung des Bewußtseins, München, 1985
Avital Ronell, Trauma-TV: Video als Zeignis, Zwölf Schritte jenseits des Lustprinzips, in: Baer u.a. Niemand zeugt für den Zeugen, Frankfurt
Wolfgang Scheidt, Affekt - Talks, Rezeptionsmotive und affektive Bewertung eines TV-Genres, Potsdam, 2000
Judith Butler, Krieg und Affekt, Berlin 2009

Gute Textsammlung:
Texte zur Medientheorie (Hg. von Günter Helmes und Werner Köster), Reclam, Stuttgart 2002



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