Kritik der Rechtsgewalt
Buchvorstellung und Diskussion
mit Daniel Loick und Christoph
Menke b_books, Mittwoch,
21.3.2012 um 21.00 h
Christoph Menke versteht das
Verhältnis von Recht und
Gewalt als ein paradoxes:
Beide schließen sich
aus, bedingen einander aber
doch. Es gibt kein Recht, das
sein Ziel der
Gewaltüberwindung nicht
auf Gewaltanwendung
stützt. Sein Essay zielt
auf den Nachweis, dass die
Gewalt des Rechts in der
politischen Prozedur steckt,
die das rechtliche Urteilen
legitimiert; vor allem durch
den Rekurs auf literarische
Texte (Aischylos, Kleist,
Heiner Müller) legt er
die untergründig wirksame
Logik frei, die die Ebene der
Berechtigung rechtlicher
Urteile mit der
körperlich-seelischen
Ebene ihrer gewaltsamen
Durchsetzung innerlich
verbindet. Benjamins Idee
einer „Entsetzung des Rechts“
wird als das Programm einer
Selbstreflexion des Rechts
erläutert: als ein Recht
wider Willen. Für Daniel
Loick ist die Gewalt des
Rechtszwangs ironisch: So wie
nach der Analyse von
Horkheimer und Adorno die
Irrationalität der
aufgeklärten Welt die
„Vernunft der
vernünftigen Gesellschaft
als obsolet“ denunziert, so
denunziert das
gegenwärtige Ausmaß
des staatlichen
Gewaltaufkommens das Recht der
rechtlichen Gesellschaft als
obsolet. Diese Dynamik als
ironisch zu verstehen
heißt zugleich, die
Forderung nach der
grundsätzlichen
Eliminierung der Gewalt in der
Politik zu erheben und einen
Anspruch auf ein anderes, ein
nicht mehr zwangsbewehrtes
Recht zu stellen.
Christoph Menke, Recht
und Gewalt,
Kleine Edition 4, August
Verlag Berlin 2011, 9,80 €
Daniel Loick, Kritik
der Souveränität,
Campus Verlag 2012, 34,90 €
mP am Dienstag 22.11.2011 21 Uhr b_books
Diskussion mit Maurizio Lazzarato (Paris) zur gegenwärtigen Schuldenkrise,
dem „verschuldeten Menschen“ und seinen Hintergründen.
Für Maurizio Lazzarato ist die Schuldenkrise keine Krise des Kapitalismus,
sondern eine neoliberale Herrschaftsform. Sie zeigt endgültig, dass „der
Markt“ niemals auf dem Tausch gleicher Partner basiert, sondern immer schon
sehr ungleiche Machtverhältnisse voraussetzte. Die Schulden sind darin ein
sicherheitstechnisches Dispositiv der Regierung und ein Kontrollinstrument
kollektiver und individueller Subjektivitäten. Wir alle benutzen Kredite,
Viele vielleicht auch nur in Form der Kreditkarte. Die Verschuldung ist
nicht nur ein Versprechen auf eine zukünftige Rückzahlung, sie ist überhaupt
eine Wette auf die Zukunft und der Versuch, diese Zukunft, ihr Mögliches,
ihre Wahl und ihre Entscheidung auf das Gegenwärtige zu reduzieren.
Maurizio Lazzarato wird im Gespräch auf sein gerade erschienenes Buch
zurückkommen, La fabrique de l'homme endetté (Die Fabrik des verschuldeten
Menschen, Paris 2011) in dem er seine ökonomischen Analysen erweitert auf
den Einfluss der Verschuldung auf die Sozialbeziehungen und die
Subjektivitäten. Dabei bezieht ert sich auf Nietzsches Zweite Abhandlung aus
Zur Genealogie der Moral, aber auch auf Deleuze/Guattari, Foucault und
andere.
Das Gespräch findet in deutsch und französisch (mit deutscher Übersetzung)
statt.
b_books presents
Freitag, 2.9.,
20 Uhr 30, Lübbener Str.
14
Arabischer
Frühling
in Israel? Vortrag und
Diskussion mit den
israelischen
Grassroots-Aktivistinnen
Ortal Ben Dayan und
Einat Podjarny
über die sozialen
Proteste in Israel
[Veranstaltung findet in
englischer Sprache mit
deutscher Übersetzung
statt]
Israel
ist in Aufruhr.
Wochenlange
Massenproteste,
Besetzungen und
Blockaden mitten in den
großen
Städten bestimmen
die Nachrichtenbilder.
In einem Land, das im
Burgfrieden erstarrt
schien, findet sich
plötzlich eine
breite Koalition von
Unzufriedenen Schulter
an Schulter auf den
Straßen wieder.
Heillos verhärtete
Fronten in der
Gesellschaft scheinen zu
bröckeln,
während der Protest
gegen die sozialen
Folgen einer jahrelangen
neoliberalen Politik
weiter um sich
greift.
Was
passiert zur Zeit in
Israel, warum passiert
es jetzt, und welchen
Einfluss haben die
Entwicklungen auf die
anderen sozialen und
politischen Probleme im
Land?
Die
israelischen
Grassroots-Aktivistinnen
Ortal Ben Dayan und
Einat Podjarny werden
von der neu entstehenden
Bewegung berichten.
Ihren Blick richten sie
dabei vor allem auf die
Kämpfe der
Mizrachim (der
orientalischen Juden)
und der israelischen
Araber, die in der
hiesigen
Berichterstattung kaum
Erwähnung finden.
Wir
wollen die Frage
diskutieren, was es
bedeutet, wenn die
Massenbewegung sich
durch Slogans wie "Jews
and Arabs refuse to be
enemies" mit der
arabischen Minderheit
(und auch den
Arbeitsmigrant_innen)
solidarisiert, und wenn
Mizrachim und Araber auf
Demos gemeinsame
Blöcke bilden.
Gerät hier ein
"nationaler Konsens" ins
Wanken? Und welche
Perspektiven einer
Radikalisierung und
inhaltlichen
Verbreiterung der
Bewegung gibt es?
Eine
Veranstaltung der Rosa
Luxemburg Stiftung.
[montagsPraxis] 25.7. //
21 Uhr
Catwalk
to History — a
Sourcebook by Bettina
Allamoda
Book
Launch &
Präsentation mit
Bettina Allamoda, Juliane
Rebentisch u.a.
Zwischen
Handbuch und Journal, ist
Catwalk to History
eine anschauliche
Darstellung von Bettina
Allamoda's Arbeitsprozess
mit umfangreichem
Bildmaterial und
Beiträgen von Claudia
Basrawi, Jörg Heiser,
Jan Kedves, Katrin Bettina
Müller, sowie ein
Gespräch von Juliane
Rebentisch mit der
Künstlerin. In enger
Zusammenarbeit mit den
Beteiligten, beleuchtet
das Buch Allamoda’s
Interesse an Körper,
Raum und Skulptur, sowie
der Analyse und
Freilegung verborgener
Politiken der Sichtbarkeit, die in den
Oberflächen
populärer kultureller
Phänomenen, wie
Kunst, Architektur,
Design, Mode, aber auch in
Geschichte,
Archäologie,
Dokumentation
eingeschrieben sind.
Ausgehend von Medien,
Wahrnehmung und Erinnerung
wird dargelegt wie die
Geschichte in ihren
Arbeiten als Display und
Präsentation,
geschrieben, ausgegraben,
neu-interpretiert oder
sogar (von
künftigen Generationen)
„zurückgebaut““
wird.
"Die
Handlungsoption, die wir
einem kritischen Standpunkt
zuschreiben - die dissidente
Technik der
Isolation/Wiederholung/Mutation
–, entspricht genau der
Technik der Torsion, die von
Seiten der Macht aktiv
eingesetzt wird (dehnen des
Wahrheitsbegriffs, verdrehen
der Fakten, zurechtbiegen).
So oder so: Die
„symptomatische Torsion“ ist
in der äußeren
Form, in der Gestalt einer
jeden Situation
enthalten...Körperliche
Erfahrung wird durch
Medienerfahrung
überformt (oder
andersherum). Und genau das
überträgt Allamoda
in den Bereich der Skulptur
und der Collage, indem sie
ihm die Form einer
paradigmatischen,
abstrahierten, aber dennoch
konkret raum-zeitlichen
Erfahrung gibt." ( aus:
Symptomatische Torsion,
Jörg Heiser)
Bettina
Allamoda ist
Künstlerin, geboren
in Chicago, lebt und
arbeitet in Berlin.
Softcover,
136 Seiten, Farbe,
Schwarz/weiß / Revolver
Publishing 2010
/ Englisch/Deutsch
::: : : b_books presents : :
:::
montagsPRAXIS
presents
Monday
July 4th – 9PM
RED
CHANNELS (New York) MEETS RED
MEGAPHONE
– KUHLE WAMPE REVISITED
COLLECTIVE AUDIO VISUAL RESEARCH
PART I
SCREENING AND DISCUSSION
b_books
Lübbener Straße 14
10997 Berlin
—Ø, Red Channels, 2011, 4
minutes
—From Wall Street to Wall Street
to Wall Street, Red Channels,
2011, English, 5minutes
—Kuhle Wampe – Slatan Dudow, 1932,
68 minutes (German with English
subtitles)
TOTAL RUNNING TIME: 77 minutes |
Digital Projection
Red Channels is in berlin for a
series of discussions, lectures,
presentations
as
To Have Done with Passive
Interpretation: Reading
Capital Politically
#
Our Friendships are
Constructed on the Basis of
Conflict: Collectively
Produced Film and Video
#
The Human Strike: A Few
Clarifications #
Armed Love: A Walking
Tour of Red and Black Sites of
Attack #
Less Fetish, More Action:
All Power to Collectivity!
#
#
#
see
more
on RED CHANNELS:
Red Channels is a radical
collective based in New York City.
The collective is open for those
interested in collaboration and
new proposals.
In New York we do not operate a
physical space. We gather when we
can, and when we wish, to organize
events and and produce things.
Just as there is no space, there
is no fixed mission statement,
membership, hierarchy, financial
or legal status. We informally
institutionalize around affinities
and desires.
Red Channels has revolved around
cinema and discussion. Now we also
curate, perform, publish, read,
write, and take direct action. We
look at previous attempts of
dissent and opposition to
stimulate our imaginations for
collective transformation. We work
to defy the categories of art and
politics, activism and media, in
search of a new communist culture.
We have organized screenings and
discussions at spaces like
Anthology Film Archives,
BAMcinematek, Bluestockings, The
Brecht Forum, e-flux, Flux
Factory, Maysles Cinema,
92Y-Tribeca, 16Beaver, Spectacle
Theater, and UnionDocs.
Our collective has produced 10
short videos, as well as 5
publications, both in print and
online, of collected and original
writings. Our work has been
screened at The Brecht Forum,
Brooklyn Community Access
Television, Flux Factory,
International House Philadelphia,
Manhattan Neighborhood Network,
MassArt, MoMA PS1, New Nothing
Cinema, 92Y-Tribeca, Philadelphia
Community Access Media, La Plaza
Cultural de Armando Perez, and
Spectacle Theater.
In this visit to Berlin we follow
recent trips to San Francisco
(“Gentle People in Motion”,
February 2011) and Chicago (“As a
Crowd Gathers”, March 2011), where
we connected with old friends and
new comrades. The goal is not to
franchise, or to charter new
branches, but to engage with our
collective struggles in different
contexts.
Red Channels (Website)
montagsPRAXIS
27.6. 21 uhr
presentation of Gregory Sholette's
publication DARK MATTER
Dark
Matter: Art and Politics in
the Age of Enterprise Culture
Art is big
business, with some artists
commanding huge sums for
their works, as the vast
majority is ignored by
critics. Yet these
marginalized artists, this
"dark matter", is essential
to the survival of a
mainstream art world that
depends on this missing mass
for innovative content and
material support (museum
memberships, precarious
part-time teaching, journal
subscriptions, even gossip
that reproduces established
cultural hierarchies).
Some artistic "dark matter"
has always self-organized
against this 'norm' by
critically intervening into
public spaces, and
challenging the art world's
hidden politics. But with
the advent of inexpensive
communication, audio and
video technology, together
with the hyper-deregulated
post-1980s networked economy
a radical shift has occurred
within this familiar cycle.
Dark matter is getting
brighter. Like a burst crypt
or ruptured archive this
once-blocked social
production is impossible to
ignore as it celebrates its
own excesses and
redundancies, generating
powerful, unpredictable
consequences for all
concerned.
Gregory
Sholette is a New
York-based artist, writer, and
founding member of Political
Art Documentation/Distribution (PAD/D:
1980-1988), and REPOhistory
(1989-2000). His recent
publications include Dark
Matter: Art and Politics in an
Age of Enterprise Culture
(Pluto Press, 2011); Collectivism
After Modernism: The Art of
Social Imagination after 1945
(with Blake Stimson); and The
Interventionists: A Users Manual
for the Creative Disruption of
Everyday Life (with Nato
Thompson). He is an Assistant
Professor of Sculpture at Queens
College: City University of New
York (CUNY).
http://gregorysholette.com
http://darkmatterarchives.net
montagsPRAXIS 20.6. 21 uhr
Schön
für dich
Ein Videofilm
aus der Kiez
Monatsschau
von Ballhaus
Naunynstrasse
& die
Akademie der
Autodidakten,
Paten: Erdal
Ugür
Ahlatci/ Jan
Ralske
Die
Kiez-Monatsschau –
Nachrichten aus der
Naunynstraße ist ist
ein Videoformat der akademie der
autodidakten, die
Jugendkulturförderung des
Ballhauses.
Alle drei Monate produzieren
Jugendliche eine Art Nachrichten
oder Doku über ihre Umgebung
oder über ihren Alltag.
Für die 7. Monatsschau standen
Jan Ralske und Erdal Ahlatci Pate.
Im Unterschied zu vorherigen
Monatsschauen wurde der Fokus
Kreuzberg erweitert um Wedding,
Neukölln, Kreuzberg und Mitte.
Die Jugendlichen, die vor und hinter
der Kamera stehen, haben sich im
Verlauf des Projektes auf das Thema
"beste Wohngegend für
MigrantInnen" festgelegt. Aus mehr
zufälligen Kontakten nach
Bayern hat sich ein kanakischer
Berlin-Bayern Vergleich ergeben.
Ankündigungstext
des Ballhaus Naunynstrasse:
"Wer hat Zugang zu den Medien und
wer kann sich öffentlich Gehör
verschaffen? Jugendliche
MigrantInnen und PostmigrantInnen
sind in den Medien noch immer
stark unterrepräsentiert. Im
Rahmen der Kiez-Monatsschau
wechseln die Jugendlichen auf die
Produzentenseite und ergreifen
selbst das Wort.
In der siebten
Ausgabe der Kiez-Monatsschau
stellen ihre ProtagonistInnen von
Bayern bis Berlin die Frage: Wo
lebst du und wie? Viele
Nicht-Berliner sehen Berlin nur
als dreckige, laute
Großstadt voller
integrations-unwilliger
Ausländer.
Aber auch viele
Kreuzberger können sich nicht
vorstellen im Wedding zu leben,
und umgekehrt wollen Weddinger
nicht mit Kreuzbergern tauschen.
Und schon geht die Debatte los: wo
und wie lebt man am besten?"
mit Zisan, Zeynep, Sima, Sasun,
Aytac, Onur, Tugay, Yunus, Emre,
Kazim, Breakdancegruppe Wedding,
u.v.a.
montagsPraxis aka Queer
Animal Film Praxis 6. Juni
2011 ab 20.30h
Premiere „Teddy's Beastiary. Letters to
the Parents“ von
Evelyn
Rüsseler
in
Anwesenheit von
Vaginal Davis
Zur Anreicherung der PraXXis zeigt die Filmemacherin
weitere
Beispiele aus
ihrem
Bestiarium *
To tickle the PraXXis, the filmmaker is happy to
present some
other jewels
out of
her
personal beastiary ...
Here is my Honey, 2010 //
Dog Dream Dance, 2011 //
Unicorn Tabloids, 2009
La Tristesse du Crocodile,
2006
... Tim
Stüttgen
zeigt einen
Beitrag
übers
„Grille
werden“ *plus: Tim
Stüttgen
will screen a
short on
„Becoming
cricket“
...intermissiv: textuelle
Interventionen
von Teodora
Tabacki und
Tim
Stüttgen
*plus textual
interventions
by Teodora
Tabacki and
Tim
Stüttgen
Teddy´s
Beastiary.
Letters to the
Parents
16mm, Super 8, DV, 24Min. , PAL, Germany, 2011.
(Dir.
Evelyn
Rüsseler,
Prod. Beastie
Dubber
Production,
Berlin,
feat.
Vaginal Davis
as Adorno and
Adorno's
mother, Imri
Kahn as young
Adorno,
Fritz
Rüsseler
as old Adorno,
Joy Gutthardt
as
Fräulein
Julie,
Jürgen
Bogle as Dream
Dog Dancer,
Edith
Rüsseler
as Adorno's
aunt, Beka as
„Knutschelafghane“,
Butz, a wild
pig, Lieschen
and Rosalie
(on
postcards),
Horst, a young
hippo living
in Hannover
and the hippos
from the
Berlin Zoo.
„Ich bin ein
Nilpferd mit einem zähen Leben.
Erst kommt die dicke Haut,
dann kommen die riesigen
Fleischmassen, durch die es im
Wasser schwimmen kann, und dann erst
kommt die Substanz.“
Dies schreibt Th.W.
Adorno („Teddy“) an seine Mutter Maria
Wiesengrund,
genannt „Wundernilstute
Marinumba“ oder
„Urwundernilstutengreisin“ im
September 1943 mit der Bitte, sich
keine Sorgen um ihn zu machen ... und
dass er nicht vorhabe, nach
Deutschland
zurückzugehen. Es gibt
Hunderte von Briefen und Postkarten,
die sich Teddy und Gretel
Adorno/Karplus während der
Emigrationsjahre 1939-1950 von der
amerikanischen Westküste aus (Los
Angeles) mit Adornos Eltern nach
Havanna und New York
schrieben. Sie korrespondierten
mindestens ein Mal in der Woche,
häufig öfter. Wie ein roter
Faden ziehen sich Tiergeschichten
aller Art durch die gegenseitigen
Mitteilungen. Das beginnt mit den
Anreden und Grussformeln ...
Adorno unterschreibt als „der
unförmige Nilpferdkönig
Archibald“, als „das vertrottelte alte
Kind Teddy“; Gretel Adorno
unterschreibt als „Giraffe Gazelle“,
und der Vater firmiert als „der alte
Hauerwatz und einziger WK“
(Wildschweinkönig). Die Briefe
erzählen von adoptierten Hunden,
kecken Affen und allerhand Menschen,
die sich nicht minder animalisch
gebärden. Adorno schrieb
verschiedenste Tierlieder zur Erbauung
der Wundernilstute,
z.B. „Afghane, warum knutschelst
du?“, zu singen zur Melodie von
„Mariechen sitzt auf einem Steine“
....
Bereits vor der
Emigration nach Amerika hielten die
Wiesengrund-Adornos eine
Nilpferdpatenschaft im Frankfurter Zoo
(Nilpferdstute „Lieschen“). Dies
setzten sie während der
Emigrationsjahre fort. Im New Yorker
Zoo war die Nilpferdstute „Rosalie“
ihr Zögling.
Der Film stöbert
im Adornitischen Brief-Bestiarium,
stellt potentielle neue Kandidaten vor
und improvisiert zu
(Un)Möglichkeiten des
Elternbriefes.
Die Rollen im Film
sind organisiert wie ein
Planetensystem, in dem Teddy/Vaginal
Davis die Sonne ist. Alle Charaktere
rotieren um Vaginal herum, die als
Adorno, Mutter und opernsingende Tante
brilliert ... Natürlich singt sie
keine Opern, und sie spielt diese
Rollen nicht allein. Imri Kahn,
Jürgen Bogle, Joy Gutthardt und
gewisse Elternfiguren ziehen immer
wieder am Orbit vorbei ....
„I am a hippo with a
tough life. First, there is the
thick skin, then the huge masses of
flesh which make him float under
water, and only then comes the
substance.“
Thus writes Th.W.
Adorno aka „Teddy“ to his beloved
mother Maria Wiesengrund aka
„WonderHippoMare Marinumba“ or „Great
WonderHippo Mother“ in September 1943
with the request, not to worry about
him as he had no intention of
returning to Germany ... (which should
prove wrong in the end) There are
hundreds of post-cards and letters
written by Teddy and Gretel Adorno
(born Karplus) during their emigration
years 1939 to 1950 from the U.S. west
coast to Adornos parents being
installed in Habana, Cuba first, later
in New York. They used to
correspond once or twice a week. Like
a thread animal stories of all kind
meander through the mutual notes.
There are all the animal titulations
and salutations ...
Adorno signs as
„Yours Bulky, King of Hippopotamusses,
Archibald“ or „Your sappy old kid
Teddy“; Gretel Adorno initials as
„Giraffe Gazelle“ and father Adorno
presents himself as „the old
Hauerwatz and one and only WK (King of
Wild Pigs)“. The letters speak of
adopted hounds, smart-ass monkeys and
all kinds of personel not acting less
animal-style. Adorno wrote a
couple of animal songs to the delight
of Mother Marinumba, for ex. „Afghan,
why are you crunching the way you do ?
To be sung to the melody of „Little
Mary sitting on a
stone“... Before their emigration
to America the Wiesengrund-Adorno
Family held a hippo Godparenthood with
the „Lieschen“, the hippo Mare, living
at the Frankfurt Zoo at the
time. They continued the habit
during emigration years. „Rosalie“ was
their godbeast at the New York Zoo.
The film cruises the
Adornite Letter Beastiary, presenting
potential new candidates, and
improvises on the (im)possibilities of
letters to the parents.
The roles in the film
are organized as a solar system with
Ms Davis being the sun. All characters
rotating around her glam performance
as Adorno himself, his mother and his
opera-singing Auntie ... Naturally she
doesn't sing opera and she doesn't
play these roles all alone. Imri
Kahn, Jürgen Bogle, Joy Gutthardt
and certain parent figures are
crossing the orbit now and then... not
to speak of Beka, the charming
stand-in dog and innumerable
hippopotamusses!
Do, 21.4. /// 21:00 Uhr /// Figuren des
Immunen. Elemente einer
politischen Theorie. Vortrag und Diskussion
mit Isabell Lorey
Die republikanischen
Auseinandersetzungen zwischen Plebejern
und Patriziern bilden ein Urszenarium
politischer Theorie. Mit Fokus auf der
Sezession, dem Exodus der Plebejer und
den darauffolgenden Kämpfen zweier
politischer Ordnungen um eine neue
Konstituierung bietet Lorey nicht nur
eine andere Lesart als Rancière
an. Auch erhält bei ihr der homo
sacer, ganz anders als bei
Agamben, eine widerständige
immunisierende Funktion. Diese
Neuinterpretation der römischen
Geschichte dient als Hintergrund
für eine umfassende politische
Theorie der Immunisierung. Anhand unterschiedlicher
Figuren des Immunen werden die
Dynamiken zwischen dem Bedrohlichen,
dem Aufstand, der Seuche auf der
einen Seite und
Herrschaftssicherung auf der anderen,
zwischen dem Gefährdeten und der
herrschenden Ordnung analysiert.
Isabell Lorey: Figuren des
Immunen. Elemente einer
politischen Theorie, 336 Seiten, ISBN
978-3-03734-151-3, € 26,90, diaphanes,
Berlin 2011
Mo, 18.04. ///
20:00 Uhr /// Becomings. Book
launch & discussion with Yishay
Garbasz
In Becoming, artist Yishay
Garbasz dares to explore one of
society's most taboo subjects -
the exercise of individual agency
in the unmaking and remaking of a
body's gender. In this
groundbreaking work and objet
d'art, Garbasz courageously
documents the changes she
underwent from one year before her
gender reassignment surgery until
one year afterward. With
unprecedented honesty, the artist
photographed her body every week,
chronicling the changes throughout
this period. Becoming's flipbook format
renders visible and immediate the
element of time in this process.
The Becoming project
was presented as installation and
is a film (in the Busan Biennale
2010 in South Korea), as well as
an object d’art and book.
The Becoming project
distills the more than 900
pictures that Garbasz took of
herself during this two-year
period down to a selection of 28
and 89 photographs respectively.
You are cordially
invited to a lecture and the
German book launch at b_books on
Monday the 18th of April at 8:00
p.m.
[mittwochsPraxis] 23.3.2011
21:00 b_books
BUCHVORSTELLUNG
Affizierung.
ZU EINER
ÄSTHETISCH-EPISTEMISCHEN
FIGUR
mit Michaela
Ott
Mit der
Figur der Affizierung (als
Eindeutschung von engl./frz.
Affection) sucht Michaela Ott einen
grundlegenden Vorgang der Synthese
und gleichzeitigen Disjunktion zu
entfalten, der für die
Differenzierung des Lebendigen
ebenso wie der Theoriegeschichte
unabdingbar erscheint. Im
anthropologischen Bereich tritt die
Affizierung als drittes
Vermögen zwischen Wahrnehmen
und Handeln, um zwischen ihnen erste
Erregungs- und Artikulationszonen
als primäre Aisthesis anzulegen
und das Lebewesen der Symbolisierung
zugänglich zu machen. Als
disjunktive Operatoren können
Affizierungen auch
nicht-anthropomorphe,
ästhetische Artikulationsweisen
hervorbringen, wie sie in der Kunst
und im filmischen Affekt(ions)bild
zu finden sind. Schließlich
befördern sie ein “Denken mit”,
mithin Selbstaffizierungen der
Philosophie- und Theoriegeschichte,
was sie als epistemische Figur
rekonstruierbar werden lässt. AFFIZIERUNG. ZU EINER
ÄSTHETISCH-EPISTEMISCHEN FIGUR.
MICHAELA OTT. EDITION TEXT+KRITIK,
2010
17.3.2011 - 21h - DonnerstagPRAXIS: Mikropolitik:
Ralf Krause und Marc Rölli stellen
ihr kürzlich erschienenes Buch zur politischen
Philosophie von Gilles Deleuze und
Félix Guattari vor.
Mit
Mikropolitik
meinen
Deleuze
und
Guattari
weder
eine
Politik
im
Kleinen,
noch
das Handeln Einzelner im Unterschied
zum großen Ganzen. Der Begriff
umschreibt vielmehr die Vielzahl
differentiell bestimmter,
interagierender Strömungen, die
den Einzelnen wie die Gesellschaft
insgesamt durchziehen. Demnach
könnten wir nicht handeln, ohne
bereits in verschiedenartigste
Gefüge verwoben zu sein, aus
denen – machtstrategisch organisiert –
die distinkten sozialen, politischen,
geschlechtlichen usw. Positionen
hervorgehen, die uns als
gesellschaftliche Akteure
identifizieren.
Unterhalb der
exklusiven Differenzen, die das
gesellschaftliche Feld
repräsentier- und regierbar
machen, indem sie das dichte
Geflecht von
Handlungsvollzügen in
Subjektpositionen und
Objektbereiche, Soziales und
Natürliches, Individuelles
und Allgemeines, Privates und
Öffentliches auftrennen und
uns entsprechend verschiedener
Funktionszusammenhänge
segmentarisieren, macht die
Mikropolitik inklusive Differenzen
geltend, aus denen soziales
Handeln erwächst.
Das macht die
Beziehung der politischen Theorie
zur sozialen Praxis weit
partieller und fragmentarischer
als in großformatigen
Gesellschaftstheorien. Statt einer
generellen Systemkritik, die dem
Bestehenden mit den Kategorien der
Repression, Entfremdung oder
Totalisierung zu Leibe rückt,
entwirft die Mikropolitik ein
begriffliches Instrumentarium zur
Analyse von in spezifischen
Machtformationen gebundenen und
repräsentierten
Differenzierungsprozessen, die von
innen heraus die Fluchtlinien
alternativer Praktiken und
Assoziationsweisen bahnen.
mP am 27.1. 21 uhr zum Buch AUTORENSERIEN
Hg von
Christoph Drehermit Christoph Dreher,
Bert Rebhandl und Thomas Morsch
Unter dem Titel AUTORENSERIEN– Die
Neuerfindung des Fernsehens werden die
überarbeiteten Beiträge des
internationalen ¡REMEDIATE! – Symposiums
publiziert, das im Januar 2010 an der Merz
Akademie in Stuttgart stattfand.
Theoretiker und Filmwissenschaftler aus
Deutschland, Österreich und den USA
setzten sich mit den bisher im
deutschsprachigen Raum wissenschaftlich noch
wenig bearbeiteten Phänomenen von
Autorenserien im Fernsehen auseinander.
Zudem gaben Creators, Autoren, Schauspieler
und Produzenten einiger der bedeutendsten
US-amerikanischen Serienepen wie Deadwood,
The Wire oder OZ Aufschluss über die
Arbeitsprozesse und -methoden bei Entwurf,
Konzeptualisierung und Realisierung der
Serien.
TV-Serien wie diese und The Sopranos, The
West Wing, Breaking Bad oder Mad Men weisen
neuartige Eigenschaften auf wie eine
vielschichtige Langform-Narration, eine
komplexe Protagonistenstruktur sowie eine
substanzielle Behandlung des jeweiligen
Themas bei gesellschaftlich-politischer
Kontextualisierung. Die Position des Autors
(bzw. des Creators als umfassender
»Über-Autor«) wurde in
einer in der Welt des Fernsehens bisher
ungekannten Weise gestärkt. Mit
Beiträgen u.a. von Diedrich
Diederichsen, Tom Fontana, David Lavery, Ted
Mann, Thomas Morsch, Bert Rebhandl, Karen
Thorsen, Kim Akass und Janet McCabe.
mittwoch 15.12.2010 19.30
Workers Punk Art School & b_books
present
The New School
of Capitalism
Reading
Post-Fordist Theories as a Specific
Return to Marx and a Critique of
Political Economy
Discussion and Book Release
on Wed, 15.12., 19:30, b_books,
Berlin
Workers Punk
Art School and b_books kindly invite you
to the discussion *NEW SCHOOL OF
CAPITALISM*, which will take place on
Wednesday, 15th December, at 19.30, in
b_books, Berlin. The discussion will
focus and elaborate on some theoretical
and practico-political moments from the
recently released book Post-Fordism and its
discontents, edited by Gal Kirn
and designed by Žiga Testen and Nina
Støttrup Larsen, financially
supported by Jan van Eyck Academy
(Maastricht), Peace Institute
(Ljubljana) and b_books (Berlin).
Simultaneously, baby-sitting will be
organized for all precarious workers and
their kids (in the backstage office of
the bookstore).
Program:
Part I
19.30-19.45: Introduction:
political lessons from post-Fordist
analysis by Gal Kirn (fellow at
ICI-Berlin)
19.45-20.00: Covers and colophons -
book design and post-Fordism by
Žiga Testen, Nina Støttrup Larsen
and Cornelia Durka (former researchers
at the JVE Academy)
Part II
20.15-20.30: Shock workers as
“refuse of all classes” by Hito
Steyerl
20.30-20.45: Exhausted and
organised. Is there a politics of
precarious labor? by Katja
Diefenbach (b_books)
The event will be moderated by Boris
Buden (cultural theorist).
metroZones.SALOON
#5 @ montagsPraxis
presents
Montag,
19. Juli 2010, 21 Uhr
Young, Gifted and
almost Black
Fotografien
in Südafrika zwischen
Post-Apartheid und neuem Rassismus
Ein
metroZones.SALOON mit John
Fleetwood, Johannesburg, Leiter des Market
Photo Workshop
Gast:
Romin Khan, Berlin, Autor des Buchs
‚Südafrika - Nach der
Apartheid: Die Grenzen der Befreiung’
Der Market
Photo Workshop liegt
am Rande der Innenstadt von
Johannesburg, wo „Bürohäuser
allmählich indischen Läden
Platz machen“ (Joyce Ozynski). Hier
prügelte das alte Regime noch 1989
schwarze Pendler aus den Townships
zusammen. In unmittelbarer Nähe
befinden sich wichtige Minibus- und
Bahnknoten, welche die Stadt mit ihrem
(trans)nationalen Umland verknüpft.
Arbeitende, Händler und auch die
Studierenden beleben das vormals
verlassene Westend neu.
Der
einzigartige Market
Photo Workshop wurde
vom mehrheitlich noch durch die Apartheid
geformten Lehrkörper und aus der
engagierten Praxis einer „struggle
photography“ gegründet.
„Es gibt
keinen klar identifizierbaren ‚Feind’
mehr, sondern eine hochkomplexe soziale
Realität“, beschreibt
Mitbegründer David Goldblatt die
Gegenwart. Was bedeutet engagierte
Fotografie in der Post-Apartheid? Die
nachgeborenen Studierenden – jährlich
150 bis 200 – kennen das alte Regime kaum
mehr aus eigener Anschauung.
Plötzlich kommen Provinz, ethnische
Besonderheiten, Gendertroubles, das Leben
der Muslime oder auch schnöder Alltag
in Betracht. Viele Studierende entspringen
einer schwarzen Mehrheitsgesellschaft.
Dies spiegelt sich in Perspektiven, Sujets
und Kontextualisierungen der Projekte
wider. Die Studierenden sind zuerst
Lernende, bald verantwortliche
Organisatoren und später auch
Weiterbildende. Sie „lernen, ihre
Herangehensweise an ein Thema
auszuhandeln, Sensibilität für
Repräsentationspolitik zu entwickeln
sowie mit Zeit und Logistik umzugehen. Der
Umgang mit Würde und Respektist ein
inhärenter Bestandteil solcher
Projekte“ (John Fleetwood).
Exemplarisch
für die Rechercheabeit des Market
Photo Workshop ist das
Projekt ‚Back and Forth’. Informeller
Handel ist insbesondere für Frauen
aus dem hoch-inflationären Zimbabwe
überlebensnotwendig. Und so folgten
sechs Studierende, vier aus den jeweiligen
Ländern hinzugezogene
Berufsfotografen und das beratende Team
den hochmobilen und unter Zeitdruck
stehenden HändlerInnen. Ihr über
sieben Monate erstreckendes Projekt sucht
die Perspektive der Akteure. Fotos wurden
oftmals aus der Hocke oder durchs Fenster
eines fahrenden Busses gemacht. Das
Porträt einer Geldwechslerin in
der Grenzstadt Musina – hier wurde die mit
Bildunterschriften versehene Ausstellung
auch erstmals im Straßenraum gezeigt
– steht dem Polizisten in einem Bus
gegenüber, der nach einer
Währungsumstellung per
Leibesvisitation nach alten Noten
sucht.
Wir
haben John Fleetwood und Romin Khan
eingeladen, um über ihre Arbeit zu
innerafrikanischer Migration und neuem
Rassismus im südlichen Afrika zu
sprechen.
b_books presents
Dienstag, 13.
Juli 2010, 21 Uhr
Die
Körper der Multitude
Von
der sexuellen Revolution zum
queer-feministischen Aufstand
Buchvorstellung und
Diskussion mit Robert Foltin, Mitherausgeber
der "Grundrisse", Wien
In "Commonwealth" unternehmen Antonio
Negri und Michael Hardt einen erneuten
Versuch, ihr heterodoxes marxistisches Denken,
in dessen Zentrum die subjektive Figur des
Armen und die schöpferische
Produktivität des Seins stehen, mit
queer-theoretischen Ansätzen zu
verbinden. Robert Foltin testet diese
theoretische Verbindung in seinem neuen Buch
"Die Körper der Multitude" entlang von
sechs Begriffen: körperliche
Produktivität, Subjekt-Werden, das
Gemeinsame, Singularität, Multitude, Wert
(das Maßlose).
In seiner Buchvorstellung wird er
sich auf die queer-theoretischen
Interventionen des postoperaistischen
Marxismus entlang folgender
Ausgangsfragen konzentrieren:
Gibt es eine theoretische Position
außerhalb des Lebens in der herrschenden
Gesellschaft? Wie entstehen Geschlechter und
die Dominanz der Heterosexualität? Wie
hängen Kapitalismus und Sex – in seiner
doppelten Bedeutung als Geschlecht und
Begehren – zusammen? Gibt es ein
revolutionäres Subjekt? Kann es
überhaupt noch ein Subjekt geben? Wie
können individuelle Freiheit und
Kollektivität verwirklicht werden? Wie
verändern wir unseren Alltag und das
kapitalistische System? Was bedeutet es, die
Revolution als Prozess zu leben?
Robert Foltin: Die
Körper der Multitude. Von der sexuellen
Revolution zum queer-feministischen
Aufstand, Schmetterling Verlag 2010, 12,80
EUR.
Basti, b_books und basso präsentieren
The rest is revolution
Freitag,
30.4. Basso, doors
open 9pm - films start 10 pm
Köpenicker
Str. 187 - 188
The
Battle of Tuntenhaus
Juliet Bashore, UK 1991, 20 min
Mythos
Mainzer Straße - Research 1
Katrin Rothe, D 2010, ca. 50 min
Wenn zum
Galerienwochenende in der Stadt der Nahkampf
tobt, während eine weitere Etappe im
Normativ-Werden der Kunst durch ihre
Konsumisierung eröffnet wird, und die
Biennale sich dieses Jahr in Kreuzberger
Spekulationsobjekten niederläßt -
eine skandalöse Entscheidung, die
hoffentlich nicht ohne (heiße) Folgen
bleibt -, blicken wir am Freitag zurück
auf eine andere Zeit, als es in Berlin noch
nicht ganz so klar war, welche
Veränderungen am Horizont aufgehen.
Im Jahr 1990, noch vor der so genannten
Wiedervereinigung, besetzten
(hauptsächlich) Westlinke Ostleerstand,
unter anderem die dreizehn Häuser in der
dann legendär werdenden Mainzer
Straße in Friedrichshain. Zum
zwanzigjährigen Jubiläum der
Besetzungen zeigt Katrin Rothe ihren gerade
fertiggestellten Film Mythos
Mainzer
Straße - Research 1,
gefolgt von dem Klassiker the Battle
of
Tuntenhaus,
Juliet Bashores Beobachtungen um das ebenso in
der Mainzer Straße befindliche
Tuntenhaus.
Die Entscheidung, ob es sich dabei um eine
andere Art der Kolonialisierung des Ostens
durch westlich geprägte Interessen
handelte oder um wahren (Klassen)kampf, bleibt
der Zuschauerin respektive den nachfolgenden
Gesprächen überlassen. Doch
sicherlich ist dies der goldrichtige Auftakt
zu einem nazifreien Maiwochenende.
Zur
weiteren Wochenendgestaltung:
http://www.1-mai-nazifrei.tk/
http://fels.nadir.org/
While
the
galleries open up the town for dogfight on
'their' weekend and thus push forward
another stage of consumerisation of art, and
the biennale decides to settle down in
Kreuzberg objects of real estate speculation
- a scandalous decision which hopefully
will not be without (hot)
consequences -, we turn our eyes back
to another time when it was not yet so
obvious which changes were to come in
Berlin.
In the year 1990, before the so-called
reunification of Germanies,
western leftists squatted empty
buildings in the east, also thirteen
buildings in the from then on legendary
Mainzer Straße in Friedrichshain. For
the twentieth anniversary of the
squattings, Katrin Rothe shows her just
finished MYTHOS MAINZER STRAßE -
RESEARCH 1, followed by the great classic
THE BATTLE OF TUNTENHAUS, Juliet
Bashores document of the Tuntenhaus (house
of [drag] queens) which was also in the
Mainzer Strasse.
Spaß
am
Scheitern: Zum wiederholten Male planen
Nazis am 1. Mai in Berlin einen Aufmarsch.
Dieses Jahr soll die Nazi-Demo ab 11:00 Uhr im
Prenzlauer Berg (am S-Bhf Bornholmer Str.)
starten und von dort wollen sie scheinbar die
Bornholmer Str. entlang, über die
Schönhauser Allee und bis zur Landsberger
Allee gehen. Weil der 1. Mai (wie alle anderen
Tage auch) am schönsten ohne
Nazi-Aufmarsch ist, hat sich in den
vergangenen Monaten ein breites
Massenblockaden-Bündnis gegründet,
um sich am kommenden Samstag den Nazis in den
Weg zu stellen. Auch wir werden uns an den
Massenblockaden beteiligen und sie so durch
Zivilen Ungehorsam stoppen!
Gemeinsame Anreise und Pünktlichkeit sind
wichtig! Die neuen Treffpunkte
sind:
- für
West-BerlinerInnen: Alexanderplatz
(U2-Gleis) um 9:00 Uhr.
- für
Ost-BerlinerInnen: Ostkreuz
(Ringbahn-Bahnsteig) um 9:00 Uhr.
b_books presents montagsPRAXIS, mo 19.04.10, 21
Uhr:
Yishay
Garbasz: >In My Mother's Footsteps<,
book presentation and
discussion
Die
britisch-israelische Fotografin Yishay
Garbasz benutzt für ihre Serien eine
sperrige Großbildkamera – wie sie
selbst sagt, um sich zur Langsamkeit zu
zwingen.
Ihr
Projekt >In My Mother’s Footsteps<
versucht einen Heilungsprozess und
untersucht, wie Erinnerung vererbt wird:
Garbaszs Mutter wurde in Berlin geboren,
floh 1933 mit der Familie nach Holland und
wurde 1942, mit 14 Jahren, nach Westerbork
deportiert und anschließend nach
Theresienstadt. Über
Auschwitz-Birkenau kam sie nach
Christianstadt und von dort im April 1945
mit einem der berüchtigten
Todesmärsche ins Lager Bergen-Belsen,
wo sie von den Briten befreit wurde.
Für ihre beeindruckenden Bilder ist
Yishay Garbasz ein Jahr lang und über
weite Strecken zu Fuß diesem Weg
ihrer Mutter gefolgt. Die
Großbildkamera zwang sie dazu, an
den Orten zu verweilen, das Bild im
Inneren der Kamera unter dem dunklen Tuch
wirklich zu sehen und die eigene
Verletzlichkeit zuzulassen. Die vollendete
Serie übergab sie ihrer Mutter, die
nur wenig später starb.
ENGLISH:
»My
mother lost parts of her soul in those
places and I had to go back to collect
them... As I am a photographer, the camera
was going to be my tool to help me
see.«Yishay Garbasz
British-Israeli
photographer
Yishay Garbasz uses a bulky large-format
camera “to force herself to slow down.”
Her project In My Mother’s Footsteps is an
exploration of the inheritance of memory
as well as a healing process. Garbasz’s
mother was born in Berlin in 1929 and fled
from the Nazis with her family to Holland
in 1933. In 1942, at the age of fourteen,
she was incarcerated and deported to
Westerbork, then to Theresienstadt. Via
Auschwitz-Birkenau, she arrived in
Christianstadt and was sent in April 1945
on one of the infamous death marches to
the Bergen-Belsen concentration camp,
where she was liberated by British forces.
In the
making of this project, Garbasz traced her
mother’s path for a year, often on foot,
over long distances. The large camera
forced her to spend time at each location,
letting the image come to her, opening
herself and the lens to what was there,
admitting her own vulnerability.
The
photographer was able to present the
series to her mother, who died just a
short while after its completion.
About the
artist:
Yishay
Garbasz, lives and works in Berlin.
Most of
the projects Garbasz pursues are about
identity—understanding who she is and how
she fits into the world. Her book >In
My Mother’s Footsteps< retraces
her mother’s path through the Holocaust,
from Berlin through five concentration
camps and the death march, all the while
exploring the memories Garbasz inherited
from her and their impact her my life. The
book was nominated for the German Photo
Book Prize in 2009.
In other
projects, Garbasz intertwines her personal
background with a political exploration of
the modern world. In >The
Fence< she looks at the
Israeli–Palestinian separation barrier in
a series of landscapes of people, terrain
and various fence constructions. In
>Four Generations in the Same
House<, she examines the absence of
grandparents in her own life through the
lens of rural Taiwanese families. Despite
her continued interest in exploring
aspects of identity, she never expected to
do nude self-portraits as a project until
she worked on her latest project
>Becoming<, which explores her body
in its transition.
Montag 8. März 2010, 21
Uhr
Buchvorstellung
und
Lesung
zu
MITTELMEER
ANÄMIE von Claudia Basrawi
mit
Claudia
Basrawi
und
Martin Clausen von Two Fish
Obwohl
Claudia
Basrawi
schon
seit
mehreren
Jahren
als
Autorin
von
Prosatexten
und
Theaterstücken
hauptberuflich
tätig
ist,
ist
„Mittelmeeranämie“
ihr
erstes
Buch.
Es
enstand während ihres Aufenthalts in
Damaskus, Beirut und Kairo. Quasi als
Nebenprojekt, während der Dreharbeiten zu
einem Film. Es ging um die Spuren von Jean Genet,
um die Wurzeln seiner Sympathien für die
Palästinenser, das Interesse an einer
schwulen und geheimen Kultur im Orient, seine
Vorliebe für die Diebe und Stricher. Und
schon sind wir mitten in einem beschwingten Roman.
Claudia Basrawis Text durchzieht von der ersten
Zeile an, ein luftiger, schon fast heute
verdrängter Ton der Boheme. Kein Wunder, denn
ein Vorbild des kleinen Filmteams war die Nouvelle
Vague und die Ära der Camero Stylo. Ab der
ersten Seite des Buches werden ununterbrochen,
zumindestens von den Männern, Gitanes und
Gauloises geraucht. Und überall ist die Sonne
zu spüren.

(Foto: Florian Braun)
Freitagspraxis,
26.2. : 21 Uhr bbooks
Von
Sun
City nach Dubai - künstliche Welten und
touristischen Enklaven.
Programm: Kurze
Einführung in das Buch Sun Tropes. Sun City
and (Post-) Apartheid Culture in South Africa im Anschluss Christian
von Borries' Film "The Dubai in Me"
(Arbeitsversion)
Sun
Tropes zeichnet die Spuren eines an sich
geschichtslosen Ortes in Südafrika von Ende der
1970er Jahre bis heute nach und wirft dabei sein
Augenmerk auf Entertainmentpraktiken, die
längst globale Standards geworden sind. Auf
eine bestimmte Art führte Sun City - als
afrikanische Las Vegas-Imitation - etwas vor, was
sich heute in Dubais glitzernden Hotelpalästen
manifestiert: Verschwendung, Eskapismus und ein
seltsames Begehren nach einem künstlichen
Zeit-Raum. Der fast mythische Ort Sun City wird in
diesem Buch auf verschiedenen Ebenen
(re-)konstruiert; sowohl als historische,
bildwissenschaftliche Fallstudie, als auch als
fragmentarischer Erinnerungsraum, der über
Oral-History-Perspektiven mit verschiedenen
Handlungsträgern eingefangen wird. Darüber
hinaus wird die urbane Entwicklung Johannesburgs,
die eine Politik kleiner abgeschotteter Paradiese
offenbart, mit Sun City in Beziehung gesetzt.
Mit Texten von
Leslie
Witz, Jeanne van Eeden, Ivan Vladislavić,
David
Goldblatt, Kgebetli Moele, Shaheed
Saleem, Gwen Gill
u.a.
http://www.augustbuch.de/?page_id=101
The Dubai in Me
At the heart of the saga - the Dubai
debacle. (Nouriel
Roubini)
Once the
manic burst of building has stopped and the
whirlwind has slowed, the secrets of Dubai are
slowly seeping out. This is a city built from
nothing in just a few wild decades on credit
and ecocide, suppression and slavery. Dubai is
a living metal metaphor for the neoliberal
globalized world that may be crashing - at
last - into the sands.
"The
thing you have to understand about Dubai is -
nothing is what it seems, nothing. This isn't
a city, it's a con-job. They lure you in
telling you it's one thing - a modern kind of
place - but beneath the surface it's a
medieval dictatorship." (Huffington
Post)
Dubai or Palestine,
Hanoi or Dubai: this film shows how wrong this
antithesis is.
This film is searching
for a new topography.
This film is a
metaphore, a displacement, a shift where
territories are marked, where things are seen,
where they are given names and meaning. In this
sense, the metaphoric task of cinema can be seen
as subverting a previous metaphorical order,
namely the official mapping of space and time.
An order that defines places, that defines what
has to be seen and done in those places, the way
they are inhabited, their capacities and
incapacities.
The constructed picture
of poverty and disgrace tends to take the edge
of reality and should be preserved from any form
of aesthetisation. Otherwise we make them
acceptable and attractive.
Fiction and beauty
should be the part of the rich, dull reality and
the objectivity of the documentary look the part
of the poor.
http://the-dubai-in-me.com/
b_books presents
So, 21.2.10, 17 Uhr,
Vortrag von Vivian Liska,
b_books, Lübbener Str. 14
Giorgio
Agambens leerer Messianismus
Das Werk Giorgio
Agambens ist eine
schillernde Antwort auf die
Frage, ob nach den
Totalitarismen und den
gescheiterten
Revolutionshoffnungen des
20. Jahrhunderts radikales
Denken noch möglich ist und welcher Preis
dafür zu entrichten
ist. Agamben
schreibt sich auf
eigenwillige Weise in die
Tradition
politisch-theologischer
Denker des 20. Jahrhunderts
ein. Seiner Zeitdiagnose
eines allgegenwärtigen
Ausnahmezustands setzt er
einen ebenso radikalen wie
komplexen Entwurf einer
messianischen Erlösung
entgegen. Mit Paulus
und
Walter Benjamin als
Leitfiguren, deren Visionen
er ineinander
verschränkt, setzt
Agamben der „schlechten
Unendlichkeit“, die er in
den messianischen Theorien
von Gershom Scholem bis
Jacques Derrida am Werk
sieht, eine Denkfigur
entgegen, die dem endlosen
Kreislauf Einhalt gebietet.
Agambens Erneuerung
messianischer Denkfiguren
begründet die
Originalität seines
politisch-theologischen
Denkens und stellt eine
ebenso kontroverse wie
unumgehbare Herausforderung
dieser jüngeren
Erscheinungsformen der
messianischen Tradition und,
darüber hinaus, der
heutigen politischen
Theorien dar. Agambens
Thesen sollen hier in
Auseinandersetzung mit
seinen Vorläufern am
Scharnier zwischen seinen
politischen, literarischen
und kulturtheoretischen
Schriften hinterfragt
werden.
Vivian
Liska, Prof. für
Neuere Deutsche Literatur
und Direktorin des
Instituts für
Jüdische Studien an
der Universität
Antwerpen. Studium an
der NY University, der
University of Maryland und
der Universität
Antwerpen.
Forschungsschwerpunkte
Literatur der Moderne,
deutsch-jüdisches
Denken und
Literaturtheorie.
Publikationen
(Auswahl): Als
Herausgeberin: Modernism in der
ICLA-Reihe “History of the
European Literatures” (mit
Astradur Eysteinsson)
2007, Contemporary
Jewish Writing in Europe (mit
Thomas Nolden), 2007 und What
Does the Veil Know? (mit Eva
Meyer) 2009. Als Autorin:
Die
Nacht der Hymnen (zu Paul
Celans Frühwerk),
1993; Die
Dichterin und das
schelmische Erhabene (zu Else
Lasker‑Schülers
früher Prosa),1997; ‘Die
Moderne ‑ Ein Weib’ (zu
Romanen von Autorinnen der
Jahrhundertwende) 2000. Giorgio
Agambens leerer
Messianismus (2008); When
Kafka Says ‚We.’
Uncommon Communities in
German Jewish Literature
(2009).
b_books presents
5.
Februar 2010 :: 21 Uhr
Buchpräsentation und Diskussion
*scroll
down
for english version*
____________________________________________________________
Deep
Search
Politik des Suchens jenseits von Google
_____________________________________________________________
Das soeben erschienene Buch „Deep Search: Politik des
Suchens jenseits von Google“ wird am 5. Februar im
Rahmen einer Diskussionsrunde im Berliner b_books
präsentiert. Dabei sollen vor allem die
kulturellen, politischen und sozialen Dimensionen im
Gebrauch digitaler Suchmaschinen untersucht werden.
Denn diese Maschinen bieten nicht nur eine praktische
Hilfe zur Bewältigung der zunehmenden
Informationsflut, sondern beinhalten immer auch eine
folgenreiche politische Strategie, die sich in ihrem
scheinbar neutralen Code verbirgt. Einige der Fragen,
die zur Diskussion stehen, sind: Was gewinnen wir und
was verlieren wir, wenn wir die analogen
Navigationshilfen aufgeben und uns neuen digitalen
zuwenden? Wie wird computer-lesbarer Sinn produziert?
Wo liegt das emanzipatorische Potenzial des Zugangs zu
derartig enormen Informationsmengen? Und wo liegen die
Gefahren des unvermeidlichen Gebrauchs von
Suchmaschinen? Wie könnten Ansätze in diesem
Bereich aussehen, die nicht dem Beispiel Google
folgen?
Diskussionsteilnehmer/innen:
Konrad Becker, World-Information Institute, Wien
Mercedes Bunz, The Guardian, London
Thomas Macho, Humboldt-Universität zu Berlin
Kirsten Wagner, Humboldt-Universität zu Berlin
Moderation:
b_books
Organisation:
Clemens Apprich
_____________________________________________________________
Der Sammelband zum „Deep Search“-Symposium, welches am
8. November 2008 vom World-Information Institute in
Wien organisiert wurde und am 28. Mai diesen Jahres
seine Fortsetzung findet, ist nunmehr in deutscher
Sprache erschienen. Das von Konrad Becker und Felix
Stalder herausgegebene Buch umfasst eine Sammlung von
13 Texten, die sich mit den sozialen und politischen
Folgen digitaler Navigationshilfen beschäftigen.
Dabei geht es um die Chancen und Gefahren im Umgang
mit Suchmaschinen, aber auch um die Frage, wie wir in
gegenwärtigen Informationssystemen überhaupt
etwas von der Welt in Erfahrung bringen können.
Zu den Autor/innen zählen Konrad Becker, Robert
Darnton, Paul Duguid, Joris van Hoboken, Claire
Lobet-Maris, Geert Lovink, Lev Manovich, Katja Mayer,
Metahaven, Matteo Pasquinelli, Bernhard Rieder, Theo
Röhle, Richard Rogers, und Felix Stalder &
Christine Mayer.
Eine Publikation von World-Information Institute
http://world-information.org/wii
Konrad Becker/ Felix Stalder [Hrsg.]
Deep Search: Die Politik des Suchens jenseits von
Google
Studienverlag & Transaction Publishers, 2009. ca.
220 Seiten
ISBN 978-3-7065-4794-9
_____________________________________________________________
b_books
luebbener strasse 14 | 10997 berlin, germany
tel +49-30-6117844 | fax +49-30-6185810
mailto:x@bbooksz.de
http://www.bbooks.de
5. Februar 2010 :: 9 p.m.
Book Presentation and Panel Discussion (in German)
_____________________________________________________________
Deep
Search
The Politics of Search Beyond Google
_____________________________________________________________
The book launch of “Deep Search: The Politics of
Search Beyond Google” is accompanied by a roundtable
discussion which is going to address the cultural,
political and social dimensions in dealing with search
engines. These engines are never just practical tools
to deal with information overload, but embed political
strategies in seemingly neutral code. Some of the
questions to be discussed are: What do we win, and
what do we lose when we move from an analogue to a
digital information order? How is computer readable
significance produced? How is meaning involved in
machine communication? Where is the emancipatory
potential of having access to such vast amounts of
information? What are the dangers of our reliance on
search engines? And are there any approaches that do
not follow the currently dominating paradigm of
Google?
Panelists:
Konrad Becker, World-Information Institute, Vienna
Mercedes Bunz, The Guardian, London
Thomas Macho, Humboldt-Universität zu Berlin
Kirsten Wagner, Humboldt-Universität zu Berlin
Moderation:
b_books
Organisation:
Clemens Apprich
_____________________________________________________________
The World-Information Institute has published the book
"Deep Search: The Politics of Search Beyond Google" as
a follow-up to a symposium held in Vienna, Austria, in
November 2008 which will be continued on May 28 this
year. The volume, edited by Konrad Becker and Felix
Stalder, is a collection of 13 texts that investigate
the social and political dimensions of Web search and
addresses urgent issues of culture, context and
classification in information systems. Article authors
are Konrad Becker, Robert Darnton, Paul Duguid, Joris
van Hoboken, Claire Lobet-Maris, Geert Lovink, Lev
Manovich, Katja Mayer, Metahaven, Matteo Pasquinelli,
Bernhard Rieder,Theo Röhle, Richard Rogers, and
Felix Stalder & Christine Mayer.
A Publication of Word-Information Institute
http://world-information.org/wii
Konrad Becker/ Felix Stalder [eds.]
Deep Search: The Politics of Search Beyond Google
Studienverlag & Transaction Publishers, 2009. 220
pages
ISBN 978-3-7065-4795-6
_____________________________________________________________
b_books
luebbener strasse 14 | 10997 berlin, germany
tel +49-30-6117844 | fax +49-30-6185810
mailto:x@bbooksz.de
http://www.bbooks.de
1] Mo,
25. Januar, 21 h, High-End Resistance
Hamburg ― Diskussion
über
Hamburgs stadtkritische Bewegung
und die Logik der creative class
mit Margit Czenki, Ted Gaier,
Hannah Kowalski und Christoph
Twickel
2] Di,
26. Januar, 21 h, Eine Zukunft jenseits des
Kolonialismus in Israel / Palästina ― Vortrag und Diskussion mit Gadi
Algazi (Tel Aviv)
1] High-End
Resistance Hamburg
„Senat
will
Schutzschirm für die Mieter. Die
Politik will in den Stadtteilen St. Pauli und St.
Georg mit der Erhaltungsverordnung die weitere
Gentrifizierung verhindern.“ (Hamburger
Abendblatt 16.01.10)
Diese Schlagzeile
dürfte wohl eine der High-End-Errungenschaften
der stadtkritischen Bewegung in Hamburg sein. Der
Hamburger Senat gibt sich nun auch als
Gentrifizierungs-Verhinderer und möchte die
eigens verantwortete neoliberale
Stadtumstrukturierung sozial abfedern. Wie haben die
Hamburger Aktivist/innen Politik und
bürgerliche Öffentlichkeit soweit
gezähmt, dass sie, wie das Hamburger Abendblatt
es ausdrückt, „von Frappant und
Gängeviertel lernen“ wollen?
Die seit gut einem halben
Jahr aktiven und vielfältigen lokalen
Initiativen haben im Netzwerkzusammenschluss „Recht
auf Stadt“ eine Dynamik entfaltet, die ihr
spezifisches Stadtteilwissen zu einer breiten
Urbanismus-Debatte verallgemeinert hat. Mit den
konfrontativen Kampfstrategien um die Hamburger
Hafenstraße der 80er ist jener soziale Druck
jedoch kaum mehr vergleichbar. Was sind die Faktoren
und Strategien für den Erfolg der
Urbanist/innen von heute? Was für soziale
Gruppen sind beteiligt, welchen Charakter hat ihre
Organisierung? Wie ist der strategische Einsatz von
mediengerechter Rhetorik zu bewerten? Welche Rolle
spielt dabei die Diskussion um die Verdrängung
von „Künstlern“, wenn man die neue
Affinität des Mainstreams zur „creative class“
bedenkt? Brauchen wir Kulturschaffende, die ihre
Fähigkeiten als Medienprofis, für die
Übersetzungsfunktion an die Öffentlichkeit
einsetzen? Was sagen die
Gentrifizierungsgegner/innen über ihre neuen
Freund/innen im Senat?
Kurzpräsentationen zu
einzelnen Initiativen von:
Margit Czenki
für NO!BQN * Christoph Twickel
für KEIN IKEA IN ALTONA - FRAPPANT / NOT
IN OUR NAME. MARKE HAMBURG * Hannah
Kowalski für GÄNGEVIERTEL – KOMM IN
DIE GÄNGE * Ted Gaier für NOT IN
OUR NAME. MARKE HAMBURG
2] Eine Zukunft jenseits des
Kolonialismus in Israel / Palästina ― Vortrag und
Diskussion mit Gadi Algazi (Tel Aviv)
Wenn politisch Rechte in
Israel wie Libermann (Israel Beitanu) und Livni
(Kadima) die Zwei-Staaten-Lösung für sich
entdecken, scheinen die Widersprüche einer
zionistischen Politik um so klarer hervorzutreten.
Die zionistische Vision einer ethnisch
begründeten Trennung von Araber/innen und
Jüd/innen, Palästinenser/innen und
Israelis liegt momentan jedem Lösungansatz
zugrunde, sei es in einem innerisraelischen oder
internationalen Diskurs.
Dieser Ansatz ist weder in
der Lage, die Realität des Konfliktes zu
begreifen, noch zu den Gründen vorzudringen,
die dazu führten. Letzteres ist aber
unumgänglich, strebt man eine mögliche
oder wünschenswerte Lösung des Konfliktes
an. Die radikale Linke in Israel will die
zionistische Agenda der Separation untergraben, die
von einer ursprünglichen und immanenten
Feindschaft von Juden und Arabern auf theoretischer
Ebene oder in politischen Projekten wie der
Trennungsmauer und der anhaltenden Diskriminierung
palästinensischer Bürger/innen Israels
ausgeht. Wie sollen Juden und Araber
gleichberechtigt und friedlich miteinander leben?
Welche Zukunft kann man sich vorstellen, wenn man
das Unrecht und die Ängste, die Wunden der
Vergangenheit und die Hoffnungen beider
Seiten nicht ignoriert?
Gadi Algazi wird in seinem
Vortrag diese Debatten und Visionen innerhalb der
israelischen und palästinensischen Linken
vorstellen und eine aktuelle Analyse aus radikaler
linker Perspektive zur Diskussion stellen.
Prof. Gadi Algazi ist
Vorsitzender der Geschichtsfakultät der TAU
(Tel Aviv Universität), Mitbegründer der
direkt nach Ausbruch der zweiten Intifada (2000)
gegründeten jüdisch-arabischen
Grassrootsinitiative Taayush, Mitbegründer der
radikal linken Bewegung Tarabut-Hithabrut. Algazi ist engagiert in
Aktionen gegen die Besatzung, wie auch bei sozialen
Kämpfen innerhalb Israels. Er ist nicht nur
einer der führenden Intellektuellen der
radikalen Linken, sondern zugleich eine der
zentralen Figuren innerhalb der Aktivisten-Szene.
Download
Artikel von Gadi Algazi mit
Hintergrundinformationen und
Diskussionsansätzen.
tonight 18/1/10 9 pm at our bookshop
Tavia
Nyong'o: The Body Betwixt Race,
Sexuality, and the Freak Show
Lecture + Discussion
World
champion
runner Caster Semenya returned to a hero’s
welcome in her native South Africa last
year, where the public denounced the
“gender testing” she was forced to undergo
after her gold medal in Berlin.
South
Africans
aren’t the only ones angrily comparing
Semenya’s treatment to that of Saartjie
Baartman, the nineteenth-century Khoisan
woman who was exhibited throughout
Europe as a sexualized monstrosity. White
audiences guffawed, prodded and poked at her
exposed body, which they laughingly
demeaned as that of a “Hottentot Venus”: the
inverse of European standards of
beauty.
Challenging Semenya’s
femaleness,
people now assert, is imperialism all over
again. If ever a case called for an
intersectional analysis that included
queer and trans perspectives, as well as
anti-racist and anti-imperialist ones, this
is it. Instead of insisting upon the
naturalness of her gender, how about turning
the question around and denaturalizing the
world of gender segregated,
performance-obsessed, commercially-driven
sports, a world that can neither seem to do
with or without excessive bodies like
Semenya’s and their virtuosic performances?
Tavia Nyong'o is a Kenyan-American
cultural critic, historian and performance
studies scholar. He is currently an Associate
Professor of Performance Studies at New York
University where he teaches courses on black
diaspora performance, cultural studies, social
and critical theory.
Tonight's talk by Tavia Nyongo's will be the
final event of the b_books festival Gedachte
Filme, Filmsquat #3, gefördert
vom Bezirksamt Kreuzberg
b_books presents
Montagspraxis
am Dienstag (!), 10.11.2009 21
Uhr
Buchpräsentation
mit Videos über die
Grenze zwischen Nord- und
Südkorea.
*DMZ
Botschaft. Grenzraum aktiver
Zwischenraum*
Welche
Funktion hat ein Grenzraum neben
der Durchsetzung einer Teilung?
Dient er als aktive Zone des
Unbestimmten, in der es Neues zu
verhandeln gilt? Und hängen
diese Handlungs- und
Handelsräume nicht stets
auch von der aktuellen
politischen Lage ab? Die
Grenzlinie dehnt sich zum
aktiven Zwischenraum und der
kontrollierte Grenzbereich
erstreckt sich immer weiter,
über die eigentliche
Grenzzone hinweg, in die
angrenzenden Länder hinein.
Dieses Phänomen
internationaler Grenzen
lässt sich verdichtet an
der demilitarisierten Zone (DMZ)
zwischen Süd- und Nordkorea
ablesen.
„DMZ
Botschaft“ gewährt einen
detaillierten Blick auf die
sozialen, politischen und
ökonomischen Bewegungen des
Grenzraums zwischen Nord- und
Südkroea und untersucht die
durch die Teilung des Landes
hervorgerufenen Auswirkungen auf
das alltägliche Leben. Im
Fokus steht bewusst die
südkoreanische Grenzseite,
da die Sichtweise auf den
vermeintlichen weißen
Fleck Nordkorea wesentlich das
Handeln in Südkorea
bestimmt. Interviews mit
Akteurinnen und Akteuren, die
tagtäglich mit der Grenze
konfrontiert sind, theoretische
Texte über Grenze sowie
umfangreiches Bildmaterial
bieten vielfältige
Perspektiven auf den Umgang mit
der letzten Grenzzone des Kalten
Krieges.
Mit
Beiträgen von: Song Du-Yul;
Beatrice von Bismarck; Kien Nghi
Ha
Interviews
mit:
Yoo Jae-Hyun /
koreanisch-deutscher
Künstler und ehemaliger
Grenzsoldat; Sunmu /
Künstler aus Nordkorea;
Choi Yong-Hwan /
Wirtschaftsentwicklungsforscher;
Kim Dong-Hyun /
Bürgermeister vom Freedom
Village; Angestellte des Kaesong
Industrial Complex /
Angestellter der Firma Cotton
Club
Einleitung:
Farida Heuck
Hg.
Farida Heuck / Yoo
Jae-Hyun
130
Seiten mit 41 Abbildungen
2-sprachig:
deutsch/koreanisch
Erscheint
anlässlich der Ausstellung
'Shared.Divided.United' der NGBK
Berlin vom 9.10.
-15.11.2009
Gefördert
durch den Kunstfonds Bonn
ISBN
3-933557-98-4
b_books
Verlag, Berlin
[donnerstagsPraxis] 05.11.2009
21 UHR
b_books
Lübbener
Str. 14
Discussion
and Magazine
Presentation
Globalisation,
Democracy,
Transnationalism
b_books,
Lübbener
Straße
14, Berlin;
9pm, Thursday
November 5th
with
Niccolo
Milanese
(European
Alternatives),
Bertram Keller
(Polar
Magazine)
introduced by
Emanuele Guidi
(curator and
critic)
With the
occasion of
the Berlin
launch of
transnational
political and
artistic
bimonthly The
Myth of
Europa, you
are kindly
invited to a
discussion
addressing the
meaning of
artistic
globalisation
and the
significance
of
transnational
democracy in
an age of
post-national
fluxes of
people and
capital.
The
discussion
will feature
the
participation
of European
Alternatives,
organisation
based in
London, Paris,
and Bologna,
dedicated to
exploring the
potential of a
transnational
politics and
art. It will
be followed by
informal
drinks and the
presentation
of the
organisation's
projects in
Berlin, with a
chance to get
involved in
its artistic
and political
programme.
montagsPRAXIS, montag
5.10. 21 uhr
The Topp Twins: Untouchable Girls
2009, , 83
Min. engl.
dir.: Leanne
Pooley
Film, direkt aus Neuseeland, mitgebracht, dort ein
enormer Kinohit, landesweit, nicht nur in queeren
Zirkeln. Nordamerikapremiere gerade auf demToronto
Filmfestival. Zwei Schwestern, die in Neuseeland eine
eigene TV-Show haben, irre gute Musiker/innen sind,
"yodeling lesbian twins". Der Film zeigt sie auf der
Bühne, heute, aber auch, z.B. als jugendliche
Farmerinnen.
Watch the trailer: http://topptwins.com/tv-and-film/untouchable-girls
The Topp Twins (b. 1958, Huntly, NZ) are the
folk singing sister comedy duo of New Zealand
entertainers Jools and Lynda Topp.
They are known for their country musicinfluenced style,
live shows and television performances. They are openly
lesbians. They often perform as characters, the most
notable being the cross-dressing "Ken and Ken", and
"Camp Mother and Camp Leader".
The Topp Twins have performed as a country
music-singing comedy duo for more than 25 years. In the
late 1990s, they created their own TV series, which ran
for three seasons and showcased their iconic cast of
Kiwi characters, including Camp Mother, the Bowling
Ladies and cross-dressing Ken and Ken.
Their feature film "Untouchable Girls", directed by
Leanne Pooley, was released in April 2009. It broke all
previous records for opening day, and opening weekend,
for a NZ documentary. After just four weeks at the box
office, it made over $1 million. (Wikipedia)
Variety schreibt:
A docu that has you falling in love with two of the
crazier people you've never met, "The Topp Twins:
Untouchable Girls" could well add Jools and Lynda Topp
to a list that includes spring lamb and "Lord of the
Rings" -- that is, gifts from New Zealand to a world
that usually doesn't pay it any attention. Specialty
distribution, with an emphasis on the gay and expat
Kiwi markets, seems a no-brainer for a film that's
pure fun, very musical and a can of mixed nuts.
The Topps defy logic. "On paper," says their
comedy-writer friend, Paul Horan, "yodeling lesbian
twins don't really work." But for the better part of
three decades, the Topp sisters have been gleefully
defying accepted wisdom about mainstream entertainment
and homophobia, and have become crew-cut
demi-goddesses in a country where the national
character includes a warped sense of humor.
"We're not comedians," Lynda Topp says. "We're
singers who are funny." But their cast of characters
-- beery farmers Ken Smythe and Ken Moller in their
bad polyester, or the Posh Socialites Prue and Dilly
Ramsbottom -- are so fully realized and such a part of
New Zealand pop culture that Lynda Topp's disclaimer
has to be chalked up to modesty. Someone dubs them "an
anarchist variety act," and that's a good description.
Musically, the pair resemble those American pop
icons Phil and Don
Everly, inasmuch as they sound like one voice
harmonizing with itself. During an '80s period in
which they wore slicked hair and suits, they actually
looked like the Everlys. They attain a similar
vocal purity only siblings seem able to achieve, which
gives their Country-flavored music a keening, aching
quality. It makes the Topps a real double threat:
Their audience can choke up, or choke with laughter.
Helmer Leanne Pooley tells the sisters' life
story -- from their farm-girl days to their work on
behalf of Kiwi gay rights; from their '80s appearances
at anti-Springbok rallies (protesting the tour of the
rugby team from what was then apartheid South Africa)
to their relationship with their parents, who dealt
with their two daughters' homosexuality (a son is gay,
too) with total support. Without belaboring it, Pooley
lays the evidence before us and lets us draw our own
conclusion: that the indefatigably cheery and witty
Topp Twins got that way through love.
Which they spread around, most generously
through those comedic characterizations, which both
puncture and massage various elements of New Zealand
identity, but never without affection. The Topps are
shown onstage in various incarnations, but they also
re-create their various personae directly for Pooley's
camera, which then morphs them back into themselves.
What we see are transformations worthy of world-class
actresses, which the Topps certainly are, regardless
of any denials they might issue -- either as
themselves, or as Belle and Bell Gingham, the
hilarious Camp Mother and Camp Leader, or the Bowling
Ladies.
Production values are top-shelf, notably the
sound mix by Terry King, Chris Burt and Stefan
Brough, and the lensing by Leon
Narbey and Wayne
Vinten.
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"Kashmir - Journey
for Freedom"
Screening and discussion with the US-Israeli
filmmaker Udi Aloni
7. Sept. 2009, 21:00
Udi Aloni zeigt im
Rahmen der Montagspraxis den dritten Teil seiner
thematischen Trilogie über Theologie und Politik.
Nach der
Dokumentation "Local Angel" (2002) und dem Spielfilm
"Forgiveness" (2006) hat Aloni dieses Mal den
Schauplatz gewechselt: In "Kashmir – Journey to
Freedom" verlässt Aloni den Nahen Osten und
bereist mit Kashmir eine politische Situation, die
die aktuelle Konfliktsituation in
Israel-Palästina im Medium eines anderen
Schauplatz spiegelt.
The Film
Once described by
Mahatma Gandhi as “a pillar of light in a
subcontinent lost in darkness,” Kashmir has become a
land of terror and despair, its people suffering
under the strain of constant violence and human
rights violations. This film tells the story of a
new generation of young Muslim Kashmiris who, after
years of armed resistance, decided to lay down their
arms and start a nonviolent resistance movement in
the hope of finally achieving peace and
independence. They strive for a renaissance of the
Kashmiri tradition of religious and ethnic
coexistence, inspired by Sufi culture and the spirit
and history of Kashmir. In a rare look at the
region, Udi Aloni filmed his protagonists as they
launched their new struggle. Finally refused
re-entry by the Indian government, Aloni was forced
to tell the rest of this story far from the land and
people he had come to admire.
The Director
Udi Aloni is an Israeli and
American artist and director whose projects in films
and visual arts frequently explore the discourse
between theology and politics. In all of his
activities, including university lectures,
conferences and demonstrations, Aloni is a strong
voice in promoting justice, peace, solidarity and
love between Israel and Palestine. His work includes
correspondences with the most pre-eminent
philosophers of our time, including Slavoj Zizek,
Alain Badiou, Avital Ronell, Judith Butler, and Tony
Kushner, who describe him as a unique and
revolutionary thinker. In the last five years, Aloni
has concentrated on making films and writing.
http://kashmirthefilm.com/
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A Collective Memory, Part I Thurs, Aug, 20th 2009 9 pm * Screening + Discussion
Summer 2009: Tehran, Iran. The 10th Presidential
Elections. Beyond the scope of media coverage -
images of huge demonstratons, police brutality and mock
trials of intellectuals and dissidents - as well as a
possible policy analysis of the events surrounding the
elections in Iran, there exists a more subjective
narrative. It is a story of people who have fallen in
love. A story that has become a collective memory.
Within this story all of our memories co-exist, blend
together and work towards a sense of solidarity. Taking
place at home, on the streets and over virtual networks,
what Hamid Dabashi has called Iran's "burgeoning civil
rights movement" employs strategies of productive silence,
critical awareness, compassion and warmth between the
people. Together, our efforts are directed at unleashing
the potential of the people - "you and me and everyone we
know" - in order to keep our hope strong.
This Thursday, August 20th, at 9PM, we want to present and
discuss questions of possible solidarity using material,
textual and visual, collected while in Tehran this summer.
We will show excerpts of the short film "The Epic of the
Lovers: Mafia, God and the Citizens" (2009) by Azin
Feizabadi and Ida Momennejad. It will be an attempt to
step outside of "facts" and "objectivity" and to
present our "work-in-progress" collective memory of
emotions, fears, reflections, hopes and imaginations.
Ashkan, Natascha, Ida and Azin
Di, 28.7. | 21:00 | bbooks |
"Zionismus und Melancholie"
"Zionismus und Melancholie. Zur Affirmation
des melancholischen Denkens"
Vortrag (in englischer Sprache) und Diskussion mit Gal
Hertz, Tel Aviv University
Moderation: Sami Khatib, FU Berlin
Der Topos Melancholie hat sich durch die
Säkularisierung dramatisch verändert. Verstand
man in Mittelalter und Antike unter Melancholie
(„schwarze Galle“) ein Temperament bzw. einen seelischen
Zustand, so hat sich seit Freuds Neudefinition des
Melancholischen die Vorstellung eines psychischen
Krankheitsbilds etabliert, dem mit Trauerarbeit nicht
beizukommen ist. Wenn Melancholie die nicht
(er)lösbare Abwesenheit des begehrten Objekts
meint, was bedeutet dann Melancholie im Angesicht von
Gottes Tod? Lässt sich Melancholie als Symptom der
traumatischen Erfahrung deuten, dass Gott unwiderruflich
tot ist?
Als Antwort auf Aufklärung, Säkularisierung
und den damit verbundenen Tod Gottes schlug die deutsche
Romantik eine interessante Doppellösung vor:
kulturelle Affirmation und Erlösung einer
(ursprünglich religiös gespeisten) Melancholie
durch Symbolisierung und Ästhetisierung.
Gerade letztere stellte eine große Herausforderung
für das jüdische Denken dar, da das
europäische Judentum – trotz aller
Emanzipationsbestrebungen – fast immer außerhalb
oder am Rande von Kultur, Politik und Gesellschaft stand
und paradoxerweise genau deshalb zum Ziel
anti-melancholischer Strömungen wurde. So
transformierte sich die anti-melancholische Position in
einen antisemitischen Reflex, indem der Topos
Melancholie im Namen des Juden zur Gegen-Geschichte, zu
einer alternativen, gegenläufigen politischen
Theologieposition verklärt wurde. Das Judentum
avancierte zum Paradigma des Melancholischen.Nur vor
diesem Hintergrund lässt sich der im Zionismus
unternommene Versuch verstehen, eine Neuinterpretation
dieses romantischen Topos anzustrengen und das Judentum
vom Melancholischen – und mithin von allem vermeintlich
Hoffnungslosen und Femininen – zu „befreien“.
Die Geschichte hätte hier enden
können: mit diesen beiden gegenläufigen
Strömungen einer ablehnenden Identifizierung des
Judentums mit dem Melancholischen und dem Gegenversuch
einer Befreiung desselben von allen melancholischen
Anklängen. Mit dem Zweiten Weltkrieg und der Shoah
wurde auch der europäisch-jüdische
Melancholietopos unwiederbringlich zerstört; der
anti-melancholische Zionismus dagegen konnte sich in den
Staat Israel umwandeln. Was aber ist aus dem
Melancholietopos geworden? Ist er im heutigen Israel
verschwunden?
Auch in der modernen jüdischen Kultur existiert
eine Spannung zwischen vollzogener Säkularisierung
und einem melancholischen Zustand, in dem der Tod Gottes
nicht als solcher in Trauerarbeit beklagt werden kann
und als nicht (er)lösbare Leerstelle melancholisch
insistiert. Die Grundüberlegung des Vortrags
besteht nun darin, zu zeigen, wie dieses
Spannungsverhältnis im heutigen Israel einseitig
„gelöst“ wurde und im Resultat zu einer Abwehr des
Melancholischen geführt hat. Die These besteht
darin, dass der politische Mainstream
in Israel bis heute anti-melancholisch strukturiert ist,
da der jüdische Staat den Bezug auf die Religion
aller Säkularisierungsprozesse zum Trotz als ein in
das Politische eingreifendes theologisches Prinzip
braucht, um einen Begründungszusammenhang der
sozialen Ordnung behaupten zu können. Dieser
religiöse Bezug ist aber nur möglich in der
Unterdrückung der melancholischen Leerstelle, die
der Tod Gottes hinterlassen hat. Ein Effekt dieser
Entwicklung besteht darin, dass das religiöse Leben
– verstanden als endlose und weltlich nicht
erlösbare Trauerarbeit – zum Ziel einer politischen
Kritik avancieren konnte, die im religiösen Leben
bloß religiöse Dekadenz und ein Fehlen von
Hoffnung und positiver gesellschaftlicher Einstellung
erblickt. Umgekehrt lässt sich die Ablehnung eines
bestimmten religiösen Judentums als
anti-melancholisches Ressentiment dechiffrieren. Wie
aber lässt sich dieses Melancholieparadigma im
Spannungsfeld von Judentum, Säkularisierung und
Zionismus genauer fassen?
Der
Vortrag argumentiert, dass Melancholie eine zentrale
Kategorie darstellt, um aktuelle Diskurse in Israel zu
verstehen. Das Melancholische wird hier im Freudschen
Sinne als das wiederkehrende Unterdrückte
begriffen, das die inneren kulturellen Codes reguliert.
Entlang eines symptomatischen Lesens des aktuellen
israelischen Kinos (Filme wie z.B. Waltz with Bashir)
ließe sich dieser Zusammenhang
aufzeigen. Das Melancholische „arbeitet“ aber
nicht nur im Kulturellen sondern auch in der
israelischen Politik: in der Angst, eine Gegenposition
zur hegemonialen Anti-Melancholie-Position zu beziehen.
In diesem Licht betrachtet erscheint die Idee eines
binationalen Staates oder der Vorschlag vollends
gleicher Rechte für nicht-jüdische Israelis
als eine Bedrohung, die das fragile
Anti-Melancholie-Paradigma gefährden könnte.
Gal Hertz lebt in Tel Aviv und promoviert zurzeit mit
einer Arbeit über Karl Kraus’ Sprachkritik.
Mo, 6. Juli, 21h Videoscreening + Diskussion