mutwillig, Shayne
ein theateressay, ein postkritisches konzert

aufführungen
haus der kulturen der welt
8./9.12.2017, 20 uhr

online tickets

donaufestival
5./6. mai 2017

 

produktion
bbooksz av,
donaufestival krems,
in zusammenarbeit mit haus der kulturen der welt
gefördert vom hauptstadtkulturfonds

who is ricky shayne?

 

radiobeiträge

fm4 6.5.2017

df corso
Theater Essay über Ricky Shayne
"Das ist total extremer Kram!
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orf leporello
Portrait
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ichwilldielebenden-blog

zum filmprojekt
SHAYNE

shayne 

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mutwillig, Shayne
HKW

beim donaufestival

 

 

bbooksz av
ohlauerstr. 42
10999 berlin
03061287948
grasz[at]gmx.de

 

 

1967 wird Ricky Shayne nach Deutschland "importiert". In Italien war er da, gerade 20 Jahre alt, bereits als UNO DEI MODS berühmt. Giorgio Moroder schreibt in Berlin Shaynes ersten Hit in Deutschland ICH SPRENGE ALLE KETTEN. Der "Sprengstoff", der er in Deutschland zwischen BRAVO und ZDF-Hitparade tatsächlich verkörpert, sein 'Mehr' an Exotik, Stimme und Extrovertiertheit macht ihn in Deutschland zur Ausnahmeerscheinung, eine Ausnahme aber, die nicht lange auszuhalten ist: schon 1972, auf dem Höhepunkt seiner Popularität mit MAMY BLUE, verlängert HANSA Schallplatten seinen Vertrag nicht, keine Nachfolge-Single verhindert seinen freien Fall ins Nichts. Aber genau hier erscheinen die erstaunlichsten Platten: IM DSCHUNGEL DER STÄDTE, ANYTIME, ANYPLACE, ALMOST ANYWHERE: Funk.

Das Stück mutwillig, Shayne beamt sich zurück nach 1970, nachgespielt von seinen Söhnen, Tarek und Imran: sie sind heute so alt wie er damals war -- und lässt das 1970 wie im Kurzschluss mit seiner Zukunft zusammenfallen, 50 Jahre später, 2017. Ricky Shayne, er hat überlebt.


Thomas Edlinger im Programmheft des donaufestivals Krems, Österreich:

BRD 1967: Ein Libanese im afrikanischen Kaftan höhlt den Muff des Schlagers aus und füllt ihn mit ungebärdigem Leben. Ich sprenge alle Ketten heißt der erste deutsche Hit von Ricky Shayne aus der Feder des späteren Munich Disco-Grandseigneurs Giorgio Moroder.  mutwillig, Shayne ist Anreicherung und Neuerfindung von Popgeschichte und Körperpolitik, ein theatraler Essay von Stephan Geene, der in ein postkritisches Konzert mündet. Geene konzentriert sich auf die Berliner Phase des so unnahbaren wie unberechenbaren Musikers zwischen Kitsch und Funk, Plastikfreiheit und Playboy-Dissidenz. Ein Lager mutiert zur Probebühne: Im sich irgendwie doch modernisierenden Nachkriegsmief muss Verführung organisiert werden. Es locken BRAVO-Starschnitte, Jetset-Chic und die schmachtende Angstlust auf den stolzen arabischen Mann. Doch diesen Ricky, gespielt von dessen Söhnen Tarek und Imran, wird selbst eine fiktive Las Vegas-Show nicht zum bloßen Fetischmedium degradieren. Am Ende erretten ihn und uns vielleicht die ironische Andeutung eines Comeback-Galakonzerts unter der Leitung von Justus Köhncke: Alles ist kaputt, alles ist möglich.