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The revolution is your boyfriend

"THe Raspberry Reich!, ein queer Porn von Bruce LaBruce, von Katja Diefenbach
 
   

 

I. XPLOITATION

The Raspberry Reich ist ein Xploitation-Film über die RAF. Im queeren Himbeer Reich, im Jan Carl Raspe Reich, im Wilhelm Reich Reich geht es nicht um Fragen des bewaffneten Kampfes, sondern um Radical Chic als schwulen Porn, um speed gegen die middle class-Gemütlichkeit in Teilen der schwullesbischen Szene, die schon lange nicht mehr über Revolution nachgedacht hat, um einen Vorstoß gegen den Anti-Fetischismus der neuen Linken und eine begrenzte Öffnung des gay porn-Genre. Das Ganze ist ein Slapstick über die Frage, was passiert, wenn man das Private zum Politischen erklärt und in Terms von Comedy, Albernheit, regressiven Witzen verhandelt, zum Teil in sehr pumpige, fette Bilder versetzt.

Von der RAF bleibt nicht mehr übrig als ein fetischistisches Arsenal von Wohnzimmertapeten-großen Fotos, automatischen Gewehren als sex toys, Namen von Goldfischen und eine Parodie auf das moralische Herzstück der Antiimp-Politik, die Ermordung von Baader, Raspe, Ensslin im Oktober 77 in Stammheim.

The Raspberry Reich funktioniert in einer bestimmten homosexuellen Verschiebung wie ein RAF-Stern auf einem Punk-T-Shirt in den 80ern, ein Zeichen für Hass und Dissidenz, während gleichzeitig eine offene Ablehnung gegen die traurigen Leidenschaften der Linken kultiviert wird, gegen Weitermachen, Bevormunden, schlechte Laune. Wie jedes popkulturelle Zeichen ist auch das RAF-Zeichen für mainstreamige Popularisierung genauso offen wie für Radikalisierung. Horizont für die Auflösung linker Ikonenbilder in kapitalistisch unterstützte Popkultur, die LaBruce queer gegenbesetzt, ist das Bild von Che Guevara. Deshalb bekommt er die größte Fototapete und ist Daniel Fettigs wunderschöner Kinderzimmerhintergrund, um in Ruhe mit Pumpgun zu wichsen.

(Anmerkung zum Gerichtsverfahren gegen die Produktionsgesellschaft, Jürgen Brüning und Bruce LaBruce wegen der Verwendung des Che Guevara-Bildes)

 

II. DEATH TO THE FASCIST INSECT

Wenn der Film etwas mit der RAF zu tun hat, dann mit der Frage nach Radikalität: Was ist mit der sexuellen Radikalität der Linken? Warum soviel Heteronormativität? Warum diese körperliche Konventionalität? Und was ist mit der politischen Radikalität des LGBTQ -Kosmos ? Warum soviele Investments in Idenitätspolitiken? LaBruce strategischer Lösungsvorschlag: machen wir aus dem Bevormundungsgewichse, das es in Teilen der Linken gibt, einen Porn, der sich die Frage politischer und geschlechtlicher Radikalität stellt. Was die Sex-Ebene anbelangt, bleibt der Film aber ein relativ konventioneller schwuler Porno mit regulierten Genre-Bildern, Wichsen, Ficken, come shot. Transversal oder queer ist in den Porn-Szenen nicht soviel; der Hetero-Opener, der das Genre unterlaufen soll, zeigt eine Art lustigen Slapstick-Sex, während die gay porn-Szenen anturnen sollen.

Die Story selber ist eine pulp-Version der Geschichte der SLA, der Symbionese Liberation Army, die 1974 Patty Hearst entführte, Tochter des Medien Magnaten Randolph Hearst. Patty verliebt sich in ein Gruppenmitglied und bleibt in der SLA. 1975 wird sie fotografiert wie sie mit einem automatischen Gewehr eine Bank überfällt. Das Foto wurde zu einem der großen Zeichen für Radical Chic. Später spielte Hearst in mehreren Filmen wie Cry-Baby , Serial Mom , Pecker , Cecil B. DeMented und A Dirty Shame .

 

Schon in seinen ersten Film No skin off my ass hat LaBruce die SLA-Story integriert. Eine lesbische underground-Regisseurin will einen Film über die Girls of the SLA machen; die SLA hatte in den Siebzigern zwei lesbische Mitglieder. Sie castet Darstellerinnen, kriegt aber das Budget für den Film nicht zusammen. Dafür terrorisieren die dyke-Schauspielerinnen den skinhead-Bruder der Regisseurin. Death to the fascist insect, that preys upon the life of the people, ist die Parole der SLA.

 

III. RADICAL CHIC

Das Feld des Radical Chic öffnet sich durch subkulturelle Kämpfe auf einem nicht-moralischen, nicht identitären Level und durch die Freisetzungsbewegung des Kapitalismus in einer doppelten Bewegung.

1970 schrieb Jerry Rubin, dass es Quatsch sei, wenn Radikale sich mit Schlips und Kragen ins Fernsehstudio stellten; man drehe den Ton ab und denke, der Bürgermeister rede. Die Yippies der Young International Party waren für Revolution in Technicolor, für Burroughs Individualhubschrauber, für einen nicht-puritanischen Gebrauch der Massenmedien, für die Produktion von soaps, in denen Vietkong und Panthers zu neuen TV-Stars würden. Sie kotzten auf linkes Spießertum und dessen ermächtigend-erniedrigenden Stellvertreter-Projektionen:

Wir fühlen uns nicht schuldig, weil wir keine Schwarzen, keine Fabrikarbeiter oder Chinesen sind. Der Kapitalismus wird untergehen, weil er seine eigenen Kinder nicht zufrieden stellen kann.

Von Anfang an wurde diese Affirmationsgeste von der Populärkultur gedoppelt. Die 1980er Jahre sind inzwischen ein Synonym für popkulturelle Überaffirmation geworden und wurden von Rainald Goetz mit den Worten eingeläutet:

Wir brauchen noch mehr Reize, noch viel mehr Werbung Tempo Autos Modehedonismen Pop und nochmal Pop. Mehr vom Blauen Bock, mehr vom Hardcoreschwachsinn der Titel Thesen Temperamente Und Akzente Sendungen. Das bringt uns allabendlich in beste Trinkerlaune. Nichts ist schlimm, nur die Dummmheit und die Langweiler müssen noch vernichtet werden.

Dieser Pop-Nietzscheanismus hat sich inzwischen als Sprachstil des jungen bürgerlichen Feuilletons verallgemeinert und noch der letzte Neue Mitte-Spießer weiss den Tonfall zu bedienen, wonach Pop geil, Politik verklemmt, Kritik peinlich und der Kapitalismus dumm, aber lustig sei. Diesen Triumphalismus konterkariert Bruce LaBruce.

 

IV. PRADA MEINHOF

Im Jahr 2000 hängen die Hamburger Kreativ-Yuppies Mägde und Knechte zwischen ihre neo-deutschen Mein Kampf-Kampfhund- und German Eiche-T-Shirts Herrenrip mit der Aufschrift Prada Meinhof. 2001 druckt die Zeitschrift Max eine Bildstrecke aus Tussi de Luxe nach, auf der man das Bild von einem Model sieht, das Andreas Baader darstellt, am Boden liegend, den Kopf in einer Blutlache, daneben ein Kasten mit einem Paar Hausschuhe; Kommentar des Fotografen: Andreas Baaders Woolworth-Pantoffeln sind Kult. LaBruce fügt dieser Verkettung von Sexualität, Politik, und überaffirmativer Xploitation ein homosexuelles Element hinzu und unternimmt den Versuch, seine Überaffirmationen und Anti-PC-Provokationen quer zur mainstream Logik funktionieren zu lassen. Seine Gudrun Ensslin parodiert in Military-Unterwäsche, mit Sonnenbrille und Stiefeln einen Antiimp, der mit den Toten von Stammheim eine Politik der moralischen Empörung macht und die Jungs der Gruppe zur Homosexual Intifada aufruft.

Der Baader-Film von Christopher Roth, Mägde und Knechte, die Max und auch das Theaterstück RAF unplugged von Barbara Weber, in dem Susanne Sachsse ein weiteres Mal Gudrun Ensslin darstellt, spielen folgende drei Erzähl-Varianten und dramatische Attitudes durch:

1. Individualpsychologie: Die RAF waren durchgeknallte Mittelstandskinder.

2. Sex: Für die RAF war Ficken wie Schießen.

3. Krass: das alles, die RAF, Baader und so weiter waren total krass, krass gefährlich, 70er, links-autoritär usw. Die krass-Attitude wird dazu benutzt, eine Anti-Establishment-Haltung aufzurufen, ohne damit verbunden zu sein, reiner spektakulärer Mehrwert.

In den 80ern wurde diese Attitude zum absoluten Hit: Norm und Devianz gleichzeitig aufrufen. Wir sind affirmativ und verfügen über alle Abweichungen und Distinktionen, die in den Lebensstilen nach 68 entstanden sind.

 

V. HOMOPORN

Sex 1, sagen wir in RAF unplugged, Hallo Fotze, hier spricht Baader. Ich ficke dich und das System, unterscheidet sich von Sex 2 in The Raspberry Reich nicht nur entlang der Hetero-Homo-Linie, sondern an der von Spektakel und Intensität. LaBruce geht es um die Lust auf Porn und Fetischisierung, Lust auf die alte Sex-Money-Selbst-und-Glamour-Gleichung, die er aus einer rein sexuellen Fixierung und einem Subjekt-Objekt-Verhältnis herauslöst. Er folgt der transversalen Spur, in der Sex das gesamte gesellschaftliche Feld durchquert und in allen Machtverhältnissen und Differenzen auftaucht. Dieses Verhältnis ist niemals befriedet und öffnet sich auf keine positive Identität wie Unser schöner queerer Sex. Am aggressivsten verfolgt LaBruce das in seinem Film Skin Flick, in dem es um die Vergewaltigungsfantasien von Nazi-Skins geht und um die sexuelle Attraktion für Glatzen in der schwulen Szene.

Einige Anmerkungen zu Robert Reid-Pharrs Text Dinge

Porn, sagt LaBruce in einem Interview, sei das regulierte Genre per se. Es sei ein gut abgestimmter Illusionismus - wie ein Musical, statt Tanzszenen Fickszenen, dann Sperma-Fontänen in slow motion. In seinen ersten Filmen, No skin off my ass und Super 8 ½, wusste er nicht, wie er dieses Bild herstellen sollte. In den drei darauf folgenden Filmen, Hustler White, Skin Flick und The Raspberry Reich, arbeitete er an der Öffnung von gay porn auf das, was das Genre tendenziell ausschließt: komplexe Narration, Darstellung von Vergewaltigung, die Vergewaltigung bleibt und sich nicht in Lust und Zustimmung auflöst, Darstellung von Praktiken des SM underground wie in den Szenen mit Ron Athey in Hustler White, Darstellung von lesbischem Sex und Hetero-Sex. Gegenüber Hustler White hat Bruce LaBruce die Porn-Szenen in Skin Flick und The Raspberry Reich rekonventionalisiert.

 

VI. LINKEN-COMIC

Die Methode von The Raspberry Reich ist eine ernste Parodie von homosexuellem Linksradikalismus auf Video-Clip-Format, The Revolution is my boyfriend!, jede Parole ist ein Clip, flashende Schrifteinblendungen in XXL-Größe, die Wiederholung von linkem Missionarismus als homosexuelle Pose: Join the Homosexual Intifada!Homosexuality is the highest Form of Class Struggle! Werde schwul, wenn du militant sein willst. Das ist Gudruns Projekt für die sechste Generation des bewaffneten Kampfes. Sie selber ist eine gut aussehende Agentin linker Bevormundung, Wortführerin der Gruppe, die sich einen Scheißdreck darum kümmert, was sie den anderen predigt. Am Ende des Films kehrt sie ins ödipale Mama-Papa-Kind-Dreieck in irgendeinem gutbürgerlichen Wohnviertel zurück, eine Story, die Bruce LaBruce sich bei Paul Morrisseys Women in Revolt geliehen hat, in dem die Transe Jackie Curtis eine separatistische Feministin spielt, die sich für einen besseren Menschen hält, um schließlich mit Mr. America zu ficken und einem Baby zu enden. Das ist Bruce LaBruce Linken-Comic, den er aus mehreren Filmreferenzen zusammensetzt: Fassbinders RAF-Film Die dritte Generation, Godards Die Chinesin und Morrisseys Women in Revolt.

 

VII. PUT THE QUEER BACK IN PUNK AND
THE PUNK BACK IN QUEER

Bruce LaBruce hat sich in den späten 80ern von zwei Verhältnissen abgewandt, auf der einen Seite von der heterosexuellen Langeweile der Punks, der Sauberkeit von straight edge, der Sauberkeit eines veganen Lebens, in dem dem Körper nichts Falsches hinzugefügt werden soll, was man mit dem sexuellen Konservatismus der Linken analogisieren könnte, ihren gepflegten Beziehungsstrukturen, ihren Mann-Frau-Ordnungen und Arbeitsteilungen; auf der anderen Seite wandte sich Bruce LaBruce vom middle class-Projekt in Teilen der schwulen Szene ab. Zusammem mit G.B Jones und Candy Parker startete er damals das Homozine J.D.s. - Juvenile Delinquents, bei dem es um jenen Austausch ging, der auch in The Raspberry Reich weiter verfolgt wird: put the queer back in punk and the punk back in queer. Im Drehtagebuch zu Hustler White (1996) schreibt er:

Die GLAAD (Gay and Lesbian Alliance Against Defamation) wollen Homos normalisieren und vereinheitlichen, sie wollen uns so freundlich, so farblos, so langweilig und harmlos wie den Rest der Gesellschaft (…). Ihr könnt euren Tom Hanks aus 'Philadelphia' behalten, gebt mir River Phoenix aus 'My Own Private Idaho' – ein schwuler narkoleptischer Stricher, hoffnungslos verliebt in einen Hetero. How romantic. How accurate. How gay.

 

VIII. DAS HIMBEER-DISPOSITIV

The Raspberry Reich spielt in Herbert Marcuses und Wilhelm Reichs Himbeer Reich. Um den bewaffneten Kampf mit homosexuellem Porn kurzzuschliessen, geht LaBruce zum Freudomarxismus von 1968 zurück, zur zweiten Konjunktur von Wilhelm Reichs SexPol-Ansatz. Virginia Woolf fliegt in den Papierkorb, reaktiviert wird Reichs Vorstellung, dass das unterworfene Subjekt von einem Charakterpanzer eingeschlossen sei. Befreiung bedeute, die eingesperrte libidinöse Kraft zu lösen, die erstarrte Energie zu verflüssigen und zur Kraft des Orgasmus durchzustarten. Das ist ziemlicher Quatsch, weil es von der Unterdrückung natürlicher Triebe und der Befreiung natürlicher sexueller Energie ausgeht, wird von Bruce LaBruce aber parodiert, verschoben und auf den Begriff der Homosexuellen Intifada gebracht: Heteropanzer aufknacken, der wahre Aktivist ist homosexuell. Der Porn-Rhythmus der Orgasmus-Wiederholung kommt dabei dem Rhythmus der Propaganda-Wiederholung sehr entgegen; deshalb arbeitet LaBruce mit Splitscreens, auf denen politische Agitation – Susanne Sachsse rezitiert Raoul Vaneigems Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen - und Wichsen nebeneinander geschnitten werden, die mobilisierte Linksradikale, der mobilisierte gay sex. Leider hat LaBruce Raspberry Reich nicht mit Foucault gedreht: Das Himbeer Dispositiv könnte der Titel sein. Dann hätte man diese Seite ausbauen können, Leistungssport Porn, Leistungssport Linksradikalismus.

 

IX. DEN MARXISTISCH-FEMINISTISCHEN FILMDISKURS DEPROGRAMMIEREN

Wilhelm Reichs Politik stellt ein echtes Paralleluniversum zu LaBruce Liebe zum Fetisch dar. Der Freudomarxismus hat vor allem durch die Analogisierungen von Warenfetisch und sexuellem Fetischismus zu einer politischen Haltung geführt, die den Schleier über den Verhältnissen wegreissen wollte, den falschen Spiegel der Dingverhältnisse zerschlagen, das Einfache des Gebrauchs retten, die Maske zwanghafter Schönheit von den Körpern reissen, insbesondere dem der Frauen. Als Bruce LaBruce die Filmhochschule in Toronto verließ, wollte er diesen ganzen marxistisch-feministischen Filmdiskurs deprogrammieren. Linda Williams nimmt in ihrem Text Pornografische Bilder und die körperliche Dichte des Sehens die grundlegenden Annahmen des marxistisch-feministischen Diskurses auseinander, der psychoanalytisch orientiert war. Der Mann, der den Phallus hat, die Frau, das Objekt, das der Phallus ist, die Aktivität des entkörperlichten männlichen Blicks, die Passivität des Objekts, das fetischisiert wird etc. LaBruce wollte in den 80ern im Punk-Modus an das anschließen, was Kenneth Anger, Jack Smith, Andy Warhol, John Waters begonnen hatten. Dem Fetisch folgen, künstlicher, extremer, fragmentierter und partikularer als in der Warenwelt und in den heterosexuellen Körperkulturen und gleichzeitig immer im Übergang zu unterschiedlichen Verfallsformen: schlechter Drag, Chaos, häßliche Körper, Socken beim Ficken, Passagen zwischen sexuellem Fetisch und sozialer Gewalt.

 

X. DAS PRIVATE IST POLITISCH

The Raspberry Reich inszeniert die doppelte Seite minoritärer Politik. Bleibt das Politische autoritär, wollend, eifrig, kann ein ganzes Leben unter den Anspruch politischer Kontrolle geraten. Das passiert in Gudruns revolutionärem Wohnzimmer; alle Filme, die LaBruce zitiert, Die dritte Generation, Die Chinesin, Women in Revolt, spielen deshalb in der Klaustrophobie von Wohnungen. 1968 wurde die Wohnung für das Politische entdeckt, der Kampf wurde in die Viertel getragen, der Sex in den Fahrstuhl. Gudrun erzieht die Jungs zur höchsten Form des Klassenkampfes; dann kippt ihr Projekt in die andere, die wirkliche, die schöne, aber auch wenig kämpferische Seite minoritärer Politik: Der Anspruch des Weitermachenwollens wird löchrig; man beendet ein Projekt, wenn man nicht mehr will. Man geht auseinander. Man macht etwas anderes. Mit dem bekannten Problem der Unsichtbarkeit und Organisierungsschwäche. Deshalb gibt es am Ende auch keine Revolution, sondern eine banale Alternative: queere terrorism Party oder neubürgerliche Reintegration.

 

XI. FEAR OF AN ISLAMIC PLANET

In einem Interview mit Darius James erzählt Bruce LaBruce, dass er in den letzten beiden Jahren mit jemandem zusammen war, der Moslem war und für den es die ganze gay identification nicht gab, der nie davon gesprochen habe, dass er schwul sei, sondern einfach nicht-heterosexuell. Er wäre von ihm Hoo-wee genannt worden, husband-wife. Deshalb das Preludium mit den Koransuren. LaBruce ist gethrillt davon, insbesondere nach 9/11 die eurozentrische Feindbildkonstruktion Islam als ultimative Regression in sexueller und sozialer Hinsicht anzugreifen. Auf Darius James' Frage, was seine Vorstellung einer erneuerten sexuellen Welt sei, sagt er, islamischer Sex. Im Islam gebe es eine bemerkenswerte Differenz zwischen moralischen Codes und alltäglichem Leben. Das bringt uns auf den Punkt, wie die strategische Provokation von LaBruce funktioniert. Ihm ist die reaktionäre Entwicklung des politischen Islam scheiss egal, wenn ihm die clash-of-civilisation-Borniertheit seiner nordamerikanischen Umgebung viel näher, viel dominanter, viel ätzender erscheint. Fear of an islamic planet? Lieber einen Porn mit Koransuren eröffnen.