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Deutschland hysterisieren von Manfred Hermes
Empfohlen von: Dirk von Lowtzow (Musiker und Sänger, Tocotronic)

Ich möchte allen Leser_innen in Zürich und anderswo das gerade bei dem unverzichtbaren Berliner Verlag B_Books erschienene, fantastische Buch «Deutschland hysterisieren. Fassbinder, Alexanderplatz» von Manfred Hermes empfehlen. Der Autor gibt sich einer Relektüre von Fassbinders epochaler Fernsehserie sowie Döblins Roman hin und kommt dabei sprichwörtlich vom hundertsten ins tausendste. Das Buch ist fantastisch geschrieben und völlig frei von dem typischen, leicht nöligen Film-Studies-Jargon. Nur scheussliche Menschen mit ausgeprägten Ressentiments gegen bestimmte Denktechniken können dieses schmale, aber äusserst wichtige Werk doof finden. Viel Spass!



Eine Nichtunterüberschrift, Dietmar Dath - faz 27.10.11

  • tageszeitung 28.07.2011
    Manfred Hermes "Deutschland hysterisieren"

    Für die Turbulenz

Manfred Hermes hat ein Buch über Rainer Werner Fassbinder und "Berlin Alexanderplatz" geschrieben. Unser Rezensent ist hin und weg.von DIEDRICH DIEDERICHSEN

Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" von 1980 mit Margit Carstensen und Günter Lamprecht.  Bild:  dpa

In diesem Buch passiert, was heutzutage selten passiert: Eine Welt entsteht rund um ein Kunstwerk. Mein Lesegefühl bei Manfred Hermes "Deutschland hysterisieren" war die ganze Zeit von Erinnerungen an andere, lang zurückliegende, aber als luxuriös erinnerte Leseerfahrungen mit gewissen "Klassikern" grundiert: Deleuze über Proust, Barthes über Brecht, Adorno über Berg, Theweleit über Benn. Man fühlt sich ja als Leser besonders umsorgt, wenn ein Text ganz einem anderen folgt, mit diesem liebevoll umgeht, aber ihn nicht einfach anbetet und die eigene Intelligenz beleidigt.

Doch macht Hermes noch etwas mehr: Er folgt eben nicht zuerst einem Autor, sondern einem spezifischen Stoff, der bei ihm zwei Autoren gehört. Zwar steht die Fernsehserie "Berlin Alexanderplatz" im Mittelpunkt seiner Untersuchung, aber sie ist von Döblins "Berlin Alexanderplatz" schon deswegen nicht über die simple Unterscheidung von Vorlage und Bearbeitung abzutrennen, weil dies eben ein Text/Stoff ist, der schon ganz ohne Fassbinder verschiedene Zeitlichkeiten hat. Ausführlich werden wir in die verschiedenen historischen Stockwerke eingeführt. Wie vieles von Kafka ist BA - wie der Stoff, das Buch, die Fernsehserie hier abgekürzt heißt - eines dieser Werke, dessen soziale und politische Fantastik von der deutschen Geschichte nachträglich zur Prophetie gemacht wurde: "Vom Ende her gesehen", heißt es bei Hermes einmal über einen eingesprochenen medizinischen Text in einer Szene aus der 4. Folge, "muss dieser kalte Befund eines ärztlichen Blicks wie die Vorwegnahme seiner ,biopolitischen' Überbietung im deutschen Konzentrationslager wirken."

Auch sein Autor - Döblin, gesehen unter anderem auch durch seine scharfen Kritiker wie Sebald oder Adorno - hängt in Hermes Darstellung eher wie eines von mehreren Gliedern an seinem Text, ohne als dessen souveräner Produzent über ihn zu verfügen. Im Gegenteil: Der empirische Döblin erscheint selber als zuweilen ähnlich problematisches Symptom Weimarer Geistesgeschichte wie seine Figuren. Fassbinder wiederum ist nicht einfach ein Bearbeiter, der fix in seiner Gegenwart sitzt, sondern die Größe seines Projekts liegt nicht zuletzt darin, dass er in einer Weise dessen historische Dimensionen als ein Gewirr subkutaner Vor- und Nachgeschichten entfaltet, die weder deren historische Wahrheiten noch seine eigene persönliche lebenslange Obsession für Franz Bieberkopf gegeneinander ausspielt. Hermes folgt all diesen Verästelungen in einer niemals gewalttätigen, doch angenehm zügig voranschreitenden, zusammenfassenden Sprache. Das Gefühl, auf der Höhe der Details geführt zu werden, mischt sich mit dem anderen, in hoher Geschwindigkeit groß dimensionierte Blöcke abzuschreiten.

Absolute Besonderheit

Dabei stellt Hermes, der sich erkennbar lange mit seinem Gegenstand beschäftigt hat, dennoch immer wieder fast erstaunt fest, wie in dem Komplex BA eigentlich alle Themen, alle Verfahren, alle Personen sozusagen "auf der Straße liegen", versteht er es, sich Ideen von allein ergeben zu lassen. Die ausführliche psychoanalytische Lektüre, die er dem Material widmet, geschieht nicht aus einer gläubigen Präferenz für diese Methode im Vergleich zu anderen, sondern weil beide Autorenprotagonisten - Fassbinder und Döblin - ständig mit den psychoanalytischen Hintergründen winken wie mit breiten Zaunpfählen, diesmal nicht nur im Stoff, sondern auch in ihren eigenen Biografien. So lesen sich dann auch andere Entscheidungen für Vergleiche, Analogien, Verfahren - Proust, Pasolini und die Methode der sogenannten freien indirekten Rede etc. - unangestrengt und naheliegend, obwohl sie in der von Hermes allerdings generalverrissenen deutschen Fassbinder-Rezeption bisher keine Rolle gespielt haben: Es hat eine angemessene für ihn nur in den USA gegeben.

Das alles führt aber zu der zentralen, wenn auch so nicht ausgesprochenen doppelten Frage, warum diese Serie so eine absolute Singularität geblieben ist, an der zugleich die andere hängt, wie sie überhaupt möglich war. Sie stellt für Hermes ja so etwas wie den Zenit einer Entwicklung dar - neuer deutscher Film, 68, und Fassbinder darin noch einmal als absolute Besonderheit. Diesen Platz kann die Serie dialektischerweise aber nur einnehmen, weil sie sich dann noch mal von der Entwicklung trennt, deren Höhepunkt sie ist: zu viele Unvereinbarkeiten zusammen. So strahlt das öffentlich rechtliche Fernsehen zum Beispiel die von Kritikern einmütig als unzugänglich und unansehnlich ("zu dunkel") verrissene Serie zur besten Sendezeit aus. An diesem absolut unwahrscheinlichen Kristallisationspunkt wird also alles Mögliche sichtbar, das vor und nach dieser Serie stattgefunden hat: Vor allem aber beginnt ja quasi mit ihr ein in Hermes Augen bis heute nicht abgeschlossener Niedergang.

Das alles führt aber zu der zentralen, wenn auch so nicht ausgesprochenen doppelten Frage, warum diese Serie so eine absolute Singularität geblieben ist, an der zugleich die andere hängt, wie sie überhaupt möglich war. Sie stellt für Hermes ja so etwas wie den Zenit einer Entwicklung dar - neuer deutscher Film, 68, und Fassbinder darin noch einmal als absolute Besonderheit. Diesen Platz kann die Serie dialektischerweise aber nur einnehmen, weil sie sich dann noch mal von der Entwicklung trennt, deren Höhepunkt sie ist: zu viele Unvereinbarkeiten zusammen. So strahlt das öffentlich rechtliche Fernsehen zum Beispiel die von Kritikern einmütig als unzugänglich und unansehnlich ("zu dunkel") verrissene Serie zur besten Sendezeit aus. An diesem absolut unwahrscheinlichen Kristallisationspunkt wird also alles Mögliche sichtbar, das vor und nach dieser Serie stattgefunden hat: Vor allem aber beginnt ja quasi mit ihr ein in Hermes Augen bis heute nicht abgeschlossener Niedergang.

Von Kohls geistig-moralischer Wende und ihrer Komplettzerstörung einer Fernsehlandschaft, in der diese Serie entstehen konnte, über verschiedene Stadien fortschreitender Verblödung des nun zu Komik und Internationalismus verpflichteten und an beiden grandios scheiternden deutschen Films, die für Hermes auch mit der "Berliner Schule" keineswegs gestoppt ist: "Nostalgisierender Historismus, körperlose Optizität, bürokratische Sinnproduktion, frömmelnder Ästhetizismus, Vermeidung von Humor und Turbulenz" tragen in deren Filmen laut Hermes zu einer "Stimmung eleganter, vager Entfremdung und melancholischer Innigkeit" bei: "Schweigsamkeit, bedrückte Gesichter, eindringliche Blicke sind die vorherrschenden Ausdrucksweisen." Demgegenüber seien etwa Filme eines Lars von Trier trotz ihres "reaktionären Aromas" wenigstens nicht so "stinklangweilig" wie die deutschen.

Auch wenn diese und andere Urteile - Frieda Grafe war nun gerade keine unterwürfige Adornitin und hat in Deutschland eher strukturalistische, poststrukturalistische und surrealistische französische Traditionen bekannt gemacht - zuweilen zu pauschal daherkommen, tragen sie sehr stimmig zur Erzeugung des Gefühls bei, dass es sich bei BA tatsächlich um ein Energiezentrum, ein Ereignis und eine Ausnahmeerscheinung handelt, an der allgemein historische und film- und kunstgeschichtliche Linien sich kreuzen, wo ein Sog entsteht, den Hermes Buch nicht nur auf der Ebene der Argumentation evoziert, sondern auch durch eine eindringlich unakademische Schreibweise freundlich bestimmter Verblüffungspolemik. Sie folgt den eigenen ästhetischen Prämissen, ist nämlich turbulent, unterhaltend und ganz unbürokratisch.




30.07.2011 / Feuilleton / Seite 12 JUNGLE WORLD

Man kann ja gar nichts sehen!

Deutsche Miseren anhand der Nichtrezeption Rainer Werner Fassbinders: Manfred Hermes rät in seinem neuen Buch zur Hysterisierung

Von Andreas Hahn
Versäumtes nachzuholen, ist vielleicht die dringendste Aufgabe, die sich das neue Buch »Deutschland hysterisieren. Fassbinder, Alexanderplatz« des Kunst- und Filmkritikers Manfred Hermes stellt. »Die Strafe beginnt« hieß die erste von 14 Folgen der Ende 1980 in der ARD erstausgestrahlten Serie Rainer Werner Fassbinders, und jener Satz steht auch ziemlich zu Beginn von Alfred Döblins Roman; er bildet, isoliert, den zweiten Absatz von Buch eins.

Hermes’ Essay ist sich der eigenen Verspätung und der allgemeinen Versäumnisse sehr bewußt. Er kann mit gutem Recht von einer »Tatsache der deutschen Nichtrezeption« der TV-Serie sprechen, die längst als fünfzehneinhalbstündiges, sonderbares Kunstfilm-Ding in die Filmgeschichtskatakomben verbannt worden zu sein scheint; eine »Nichtrezeption«, die beispielsweise die 2007 ihr allein gewidmete Ausstellung in den Berliner »Kunst-Werken« noch »verfestigte« (Hermes).

»Trotzdem ist der Eindruck weit verbreitet«, so Hermes, »man sei mit Diskurs über Fassbinders Filme bisher geradezu überschüttet worden. In Wirklichkeit hat es eine nennenswerte Auseinandersetzung nur im angloamerikanischen Raum und da vor allem in den USA gegeben.« Die deutsche Fassbinder-Rezeption hingegen sei »ein vielseitiges, auch etwas trauriges Thema«, Beleg vor allem »der Grobschlächtigkeit auch einer wohlwollenden zeitgenössischen Filmkritik.«

Fassbinder und die Filmkritik, symptomatisch für »deutsche Miseren« (Hermes), solche in der Welt des Films wie generell: »Fassbinders Tod (am 10.6.1982, d.A.) fiel mit großen Veränderungen im deutschen Film zusammen. Mitte der 1980er hatte die Diskreditierung des ›Autorenfilms‹ erste Früchte zu tragen begonnen. Der deutsche Film sollte nun populär und ökonomisch erfolgreich sein. Vielleicht war das der Grund, weshalb die Fassbinder-Rezeption in der BRD seit dieser Zeit fast völlig zum Erliegen kam. Auch heute ist er vor allem wegen seiner Berühmtheit berühmt. Das sichert das Gedenken an runden Jahrestagen, ein Nachdenken mit diesen Filmen wird so aber nicht mehr ausgelöst.«

Populär sein wollte Fassbinder bekanntlich selbst auch ganz unbedingt, schon aus politischen Gründen. »Der amerikanische Film ist der einzige, den ich wirklich ernst nehmen kann, weil er sein Publikum erreicht. Der amerikanische Film ist spannend und unterhält sein Publikum, weil er eben nicht versucht, Kunst zu sein. Ich mag Kunst nicht«, sagte er Anfang der 1970er in einem Gespräch über seine TV-Serie »Acht Stunden sind kein Tag« (1972/73), die ihrerzeit beim WDR für einen politischen (Zensur-)Skandal sorgte und wirklich legendäre Szenen enthält, zum Beispiel bekommt Hanna Schygulla von Gottfried John die Marxsche Werttheorie knapp, aber solide am Küchentisch erklärt.

Die Überzeugung, daß eine »Kunst« immer für ein bestimmtes Publikum gemacht ist und zunächst einmal mit direktem Genuß verbunden sein sollte, ist vielleicht der markanteste Brechtsche Zug an Fassbinder. Hermes: »Fassbinder wollte ›volkstümlich‹ sein, das aber in einer analytischen, sensiblen und geschichtsspezifischen Weise.« Volkstümlich im Sinne von »avanciert ohne Arroganz, emotional ohne Überrumpelung und modisch ohne Dümmlichkeit«.

Auch »Berlin Alexanderplatz« war ein – verzweifelter – Versuch, populär zu sein, schließlich handelte es sich um eine TV-Serie mit echten deutschen Stars – Schygulla, John, Gunther Lamprecht (als Biberkopf), Brigitte Mira, Barbara Sukowa usw. –, die damals Titelthema für die Boulevardpresse war. Allerdings als Skandal empörter Ignoranz. Zu Beginn ihres Buches »Television, Tabloids and Tears – Fassbinder and Popular Culture« (Minnesota UP, 1995) schreibt die Filmhistorikerin Jane Shuttuc, die Serie sei bis dahin »das längste (16 Stunden) und teuerste (6 Millionen $) und meistverfolgteste Fernsehprojekt der deutschen Mediengeschichte gewesen. Sie wurde von gut 20 Millionen Westdeutschen gesehen, ein für einen ›Neuen Deutschen Film‹ beispiellos großes Publikum«. Dessen Reaktion war allerdings vornehmlich Wut und Irritation, zumindest stimmt das für die Bild-Öffentlichkeit. Als besonders bösen Treppenwitz der Geschichte kann Hermes dann auch die »fragwürdige und skandalöse Entscheidung« beim Remastering der DVD-Edition von 2007 anführen, »den gesamten Film stark aufzuhellen«. Man hat so »noch drei Jahrzehnte nach der Erstausstrahlung den ästhetischen Kriterien einer Boulevardpresse entsprochen, die damals wie aus einem Mund höhnte: Man kann ja gar nichts sehen!«

Die »deutschen Miseren« hören niemals auf. So zieht Hermes das ernüchternde Fazit, daß es »keinen künstlerischen Einfluß Fassbinders auf den deutschen Film gegeben hat«. Vielmehr erscheine es so, als seien die »Konstruktionen deutscher ›Geschichtsfilme‹ (Nazitum, RAF, zuletzt wieder vermehrt Nachkriegszeit, d.A.) der letzten Jahre geradezu wie das Negativ seiner Ansätze, bei manchmal geradezu unheimlicher Überschneidung von Themen und Motiven«. (Man vergleiche nur einmal die Rolle der Fußball-WM-Übertragungen 1954 und 1958 in Fassbinders »Ehe der Maria Braun« und »Lola« mit Sönke Wortmanns 1954-Rekonstruktion »Das Wunder von Bern«, 2003).

Es gibt also neben der erwähnten »Nichtrezeption« durchaus auch politische Gründe für dieses Buch. Nicht nur, daß die deutsche Gegenwart, wie Hermes beiläufig bemerkt, den Weimarer Verhältnissen von 1929 – »Krise des Parlamentarismus, hohe Arbeitslosigkeit, organisierte Kriminalität als Wirtschaftsfaktor« (Hermes) – ähnlicher sein mag als die BRD noch 1980, sein Essay ist auch ein Pamphlet gegen den (wahrlich nicht nur in der Welt des deutschen Films grassierenden) Konformismus zu verstehen (deshalb wohl auch die häufige Erwähnung von Pasolini, dem Antikonformisten schlechthin, in seinen theoretischen Abschweifungen über das Populäre im allgemeinen und Bachtins Karnevalstheorie im besonderen).

Eine politisch verstandene psychoanalytische Terminologie schließlich schenkt dem Buch nicht nur seinen schönen Titel, sondern auch den Gegenentwurf zum Konformismus. Die Kur des Franz Biberkopf in Fassbinders Lesart ist Hermes zufolge eine Schule der Hysterie.

Frei nach Lacan (oder dem Slavoj Zizek von »The Sublime Object of Ideology«, 1989) ist der Hysteriker – bei Fassbinder ist die Hysterie tatsächlich vor allem eine Angelegenheit der Männer – die Gegenfigur zum Perversen, zum Paranoiker, zum Zwangsneurotiker. Sehr vereinfacht gesagt, hat die Hysterie ein forderndes, unabschließbares Verhältnis zur »Wahrheit«, die Zwangsneurose ein angepaßtes. Passage gegen Blockade, Aufruhr gegen Konformismus. Schon Freud räumte ein, »die Sprache der Zwangsneurose ist gleichsam nur ein Dialekt der hysterischen Sprache, aber ein Dialekt, in welchen uns die Einfühlung leichter gelingen müßte, weil er dem Ausdrucke unseres bewußten Denkens verwandter ist als der hysterische«. Und Hermes radikalisiert (mit Lacanschem Hintergrund): »Nur durch sie (die Hysteriker, d.A.) kann sich Entscheidendes vollziehen. In den gegebenen gesellschaftlichen Kontexten können oder wollen sie nicht funktionieren.« Deutschland hysterisieren, hieße mithin, »Deutschland endlich verändern«.

Ein schönes, kenntnisreiches, stellenweise auch überraschend lustiges Buch, das sich mit Hilfe des »close reading« eines mehr erwähnten als wirklich noch gesehenen Films und der daran angeschlossenen Textkomplexe gegen die Zustände in einem Deutschland wendet, an dem schon der aus dem Exil heimgekehrte Alfred Döblin verzweifelte. Hermes zitiert einen Brief Döblins an Ludwig Marcuse aus dem August 1951: »Wir hatten in Deutschland nie eine solche politische Situation, rein nationalistisch und unfrei, reaktionär, wie jetzt. Die Sozis sind nie und nimmer eine linke Partei. Das alte Bürgertum ist hin, die Literaten sind Opportunisten, geistig sehr belanglos…«