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Ulrike Bergermann (Hg.)
Disability trouble
Ästhetik und Bildpolitik bei Helen Keller

328 S., zahlr. s/w-Abb., 27 Euro
ISBN 978-3-942214-09-4

Mit Beiträgen von: Ulrike Bergermann, Katharina Sykora, Stefanie Diekmann, Lisa Gotto, Karin Harrasser, Petra Lange-Berndt, Kim E. Nielsen, Thomas Etzemüller, Mara Mills, Ole Frahm, Kathrin Peters, Heike Klippel / Florian Krautkrämer, Susanne Leeb, Larissa Bellina, Christine Hanke, Henriette Gunkel.

PoLYpeN. Eine Reihe zur Kritik der Kunstkritik bei b_books 
Herausgegeben von Sabeth Buchmann, Helmut Draxler, Clemens Krümmel und Susanne Leeb



Die meistfotografierte Behinderte des 20. Jahrhunderts war die taubblinde us-amerikanische Sozialistin Helen Keller (1880-1968). Sie hat sich mit ihrer Lehrerin Anne Sullivan zunächst Eingang in die Ordnungen des Sicht- und Tastbaren erkämpft, um diese dann zu feiern - und zu kritisieren. Berühmt ist die emblematische Szene, in der das taubblinde Mädchen wie durch einen Lichtstrahl erhellt plötzlich das Wesen der Sprache am Brunnen versteht und die Welt mit dem Fingeralphabet erkundet. Dass es studiert, Autorin wird und als Rednerin ihren Lebensunterhalt verdienen wird, dass sie darin ebenso zur "Botschafterin der USA" wird wie ihre Geldgeber durch ihre sozialistische Wende brüskiert, steht den Vorstellungen von Weiblichkeit wie von Behinderung entgegen. Denn sinnliche Zugänge zur Welt, die Sinne der Welt, das Wissen von den Sinnen - die ganze Vorgängigkeit der körperlichen Eigenschaften scheint die Zugänge zur Welt zu regeln. Was ich sehen oder fühlen kann, ist nun gleichermaßen geregelt von den gesellschaftlichen Wahrnehmungsbedingungen, Zugang und Teilhabe, wie von den Ideen, die über die Vorgängigkeit meines Körpers, seine Natürlichkeit und Befähigung zirkulieren. Solche hegemonialen Diskurse strukturieren unsere Wahrnehmung, die Wahrnehmbarkeit von Dingen, die Restriktionen der sinnlichen Eindrücke, sogar unsere Affekte. Rancière sprach von den "Aufteilungen des Sinnlichen", die festlegen, was wir wahrnehmen, tun und sagen können und wofür wir blind oder taub sind - sie konstituieren Gemeinschaften. Die Beiträge des Bandes stellen diese Fragen entlang der enormen Bildproduktion, die sich in unzähligen Pressefotos, aber auch in Filmen, Comics, satirischer und künstlerischer Umsetzung durch das 20. Jahrhundert zieht. Was sieht man auf den Bildern (wird Haptik visualisiert oder vermieden), wie lesbar sind Weiblichkeit oder Asexualität, Emanzipation oder Eugenik, Neuregelungen von Ein- und Ausschlüssen? Wo Bilder des politischen Aktivismus fehlen, werden
andere Politiken sichtbar.

Ulrike Bergermann: Einleitung

Ulrike Bergermann: Ability Trouble. Helen Kellers Handästhetiken

Katharina Sykora: Mit anderen Augen sehen

Stefanie Diekmann: Helen Keller Photo Album

Lisa Gotto: Ent/Fernen. Zur Ausstellung einer distanzierten Nahbeziehung  

Karin Harrasser: Der Hund kann überhaupt nicht sprechen! Das Drama der Autonomie und die Verkettung der Zeichen

Petra Lange-Berndt: Kellers Hundeschaft. Canine Gefährten  

Kim E. Nielsen: Civic Fitness. Helen Keller, die Politik staatsbürgerlicher Teilhabe und Behinderung   

Thomas Etzemüller: Bildstörungen? Helen Keller und die Eugenik 

Mara Mills: Print disability. Die Ko-Konstruktion von Blindheit und Lesen

Ole Frahm: „Helen Killer“ und andere Comicfiguren nach Helen Keller

Kathrin Peters: Stumme Details. Zu Deliverance (USA 1919)  

Heike Klippel / Florian Krautkrämer: Am Ende war das Wort. The Miracle Worker
(USA 1962)

Susanne Leeb: Fluchtverwandlungstheater nach Catherine Sullivan  

Larissa Bellina: The Unconquered (USA 1954) – Inklusion im Filmbild

Christine Hanke: „This is gonna be the best version of The Miracle Worker ever!“. Mediale Transformationen in der South Park-Folge Helen Keller – The Musical  

Henriette Gunkel: Spiegelungen von color bars? Keller in Südafrika, 1951  

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