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Peter Rehberg, Hipster Porn
2018 · 440 S. · mit zahlr. farbigen Abb. · ISBN 978-3-942214-35-3  Preis 22,-

Die Butt-Jahre – das war das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Von 2001 bis 2011 wurde die Printversion des queeren Fanzines von Amsterdam aus herausgegeben und prägte mit seinen rosa eingefärbten Fotos das Bild eines neuen schwulen Männertyps: Weniger genormt als die Körperideale der 1990er, lässiger, behaart, mit Bart. Längst zirkuliert dieses Image auch unter dem Label „Hipster“. Aber im Unterschied zu seiner Mainstream-Variante aktiviert der Homo-Hipster das subversive Potenzial der 60er-Jahre Gegenfigur und schafft damit ein machtvolles Bild queerer Männlichkeit. Innerhalb einer schwulen Geschichtsschreibung sind die Butt-Boys damit auch eine Antwort auf die Geschichte von HIV und Aids, ihre Medikamentalisierung und den daraus hervorgegangenen normativen Körper­politiken. Abseits von triumphierendem Sportsex sind die Männer in Butt ebenso sexy wie verletzbar: Butt zeigt schwule Intimität. Diese Ästhetik des Nichtperfekten ist vor dem Hintergrund der Amateur­kultur des Porn 2.0 zu verstehen.

Hipster Porn nimmt Butts stilbildende Originalität in den Blick. Über die Perspektiven von Queer Theory, Masculinity Studies, Medienwissenschaften und Affekt Theorie wird die Welt des Fanzines lesbar, wie umgekehrt auch deren theoretische Positionen durch Butt herausgefordert werden.

 

gefördert von
mh

 

Der Freitag 18.4.2019
"Underground. Das Sexuelle ist in Peter Rehbergs 424 Seiten starkem Band Hipster Porn (b_books) hochpolitisch. Am Beispiel des schwulen Fanzines Butt schaut er auf die Umwälzungen der nuller Jahre, als Gender, Sex und Begehren neu gedacht wurden. Butt erschien von 2001 bis 2011 als Magazin, das zuerst in Amsterdam, dann in New York gemacht wurde. Sein Trademark waren roséfarbenes Papier und Schwarz-Weiß-Fotos überwiegend nackter Männer, die nicht dem herkömmlichen Porno-Ideal entsprachen, eher dem jugendlicher und nicht mehr ganz so jugendlicher Clubgänger. Eingangs fragt Rehberg, was es heißt, als Schwuler in einer homophoben Gesellschaft zu schreiben. Für ihn selbst, sagt er, sich nie auf eine Form des Schreibens zu beschränken. So verschränken sich auch in Hipster Porn akademische Analyse und „Insider-Ethnographie“, wie er es nennt, zu einer luziden Zeitdiagnose". ckä,