[montagsPraxis] präsentiert


Montag | 31.03 | 21:00 | Bini Adamczak: Gestern Morgen


Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft
Diskussion + Lesung zur Geschichte und Gegenwart des Stalinismus

  

"In jeder Generation muss es welche geben, die so leben, als ob ihre Zeit nicht ein Anfang und ein Ende, sondern ein Ende und ein Anfang wäre." Manès Sperber

 

Die Rekonstruktion eines kommunistischen Begehrens führt Bini Adamczak zurück in die Geschichte des Kommunismus, die sie gegen die Laufrichtung liest: von 1939 bis 1917. Der Weg zu den revolutionären Wünschen führt über ihre Enttäuschung, über das doppelte Scheitern der russischen Revolution, das unbewältigt anhält.
Während der totalitarismustheoretische Diskurs den Stalinismus als historischen Beweis nimmt, um zu zeigen, dass radikale Veränderungsversuche in Gewaltherrschaft münden, versucht Bini Adamczak, an der Frage der Partei, der Klasse, der Revolution und des revolutionären Versprechens zu rekonstruieren, entlang welcher historischer Bruchkanten der Stalinismus nicht als Wahrheit, sondern als katastrophale Möglichkeit des kommunistischen Projektes entstanden ist. Damit stellt sie sich der Forderung, den Stalinismus nicht in den Begriffen des Irrtums, sondern in denen der Realität zu analysieren, also zu untersuchen, was in den kommunistischen Praktiken, in den politischen Strategien und theoretischen Ansätzen, die Politik der Lager möglich gemacht hat.
Gleichzeitig versucht sie, Kommunismus zum universalen Namen für das Politische zu machen, um an das zu erinnern, was nicht eingetreten ist. Das Buch birgt eine vergangene Zukunft, die Gegenwart hätte sein können und Zukunft sein kann: gestern Morgen.

Bini Adamczak: Gestern Morgen. Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft, Münster: Unrast Verlag 2007 12.00 EUR


[montagsPraxis]  10. MÄRZ 2008 b_bbooks 21:00        
WR oder die sexuellen Bilderpolitiken von Dusan Makavejev           
Tim Stüttgen  zeigt  WR: MYSTERIES OF THE ORGANISM OmEngU 85min  

Die Montagspraxis entstand unter der Idee, queere und postpornographische Bilderpolitiken nicht alleine in der aktuellen Kulturproduktion, sondern in der Geschichte des Kinos seit 1968 zu befragen.

Dusan Makavejev, linker Filmemacher aus Serbien und Psychoanalytiker an der Berkeley University, ist dem Spannungsfeld aus Sex und Politik, wenn nicht gar Revolution, mit seinen Arbeiten zwischen 1965 und 1975 intensiv wie kaum jemand nachgegangen.


Sein auf der letzten Berlinale wieder aufgeführter Film "WR - MYsteries Of the Organism" ist ein immer noch zu unbekannter Klassiker zu (nicht nur) sexuellen Fragen der Revolution. Formal anarchisch und mit einem Bilderdenken, dass der Filmtheoretiker Steven Shaviro als den dritten Quantensprung intellektueller Montage nach Eisenstein und Godard bezeichnete, geht er den Visionen und Lebensumständen von Wilhelm Reich nach. Gleichzeitig mischt er den Film mit fiktiven Szenen aus Jugoslawien, Dokumentarfilm-Material aus der russischen Stalin-Zeit und der affirmativen bis campen Hippie-Bewegung aus den USA.
Bei "WR" lässt sich nicht nur die Frage beantworten, wo Bruce La Bruce´s diskursiv militantes Sprechen in "Rasperry Reich" herkam, sondern auch, wie ein affektiv-politisches Sex-Kino aussehen könnte, das über repräsentative Identitätspolitik und narrative Messages von Sieg und Niederlage hinausgehen kann. Makavejev hat seit dem Jugoslawien-Krieg keine Filme mehr gemacht.


Links: 
Wikipedia Dusan Makavejev:
Steven Shaviro zu Mysteries of the Organism:
http://www.shaviro.com/Blog/?p=557

[montagsPRAXIS]  21 JANUAR 2008 b_books 21:00 
                                                                              
                                                                                  

Das Scharnier der Macht- 
Der Illegalisierte als homo sacer des Postfordismus
 von Michael Willenbücher


moderiert von Serhat Karakayali                          Buchvorstellung 
Gemeinsam planen die beiden einen Streifzug durch die zeitgenössische Migrationstheorie

Spricht man heutzutage in Europa über illegale Migration, werden meist Bilder der Abschottung oder der Überschreitung mobilisiert. Auch die sozialwissenschaftliche Perspektive kann über das Phänomen zunächst nicht anders als in diesen Termini sprechen. Dieses Buch versucht einen anderen Weg. Es untersucht die Mechanismen, die illegale Migration als
distinktives Phänomen erst hervorbringen und fragt, welche funktionalen Verbindungen sie mit der postfordistischen Situation eingehen. Dabei wird klar, dass nicht die Abschottung, sondern die Entrechtung das zentrale Moment ist.
Das Scharnier der Macht- Der Illegalisierte als homo sacer des Postfordismus. Michael Willenbücher 2007 bbooks verlag  ISBN-3-933557-80-1



montagsPRAXIS  19. november 2007/ 21 uhr

radio-features „sprache ist unsere einzige heimat“ und „das baskische labyrinth“ (wdr / jeweils 52 minuten) von raul zelik

Das Baskenland ist ein seltsamer Einzelfall in Europa. Nirgendwo sonst sind soziale Bewegungen und Initiativen – Basisgewerkschaften, Jugendzentren, Medienprojekte ... – so präsent wie hier. Eine linke Unabhängigkeitspartei, die die baskische Identität anruft, begreift sich als Sprachrohr von sozialen Bewegungen und verteidigt die Rechte von Sans-Papiers. An der Regionalregierung, die von baskischen Christdemokraten – einer Art CSU-Pendant – geführt wird, sind auch die spanischen Kommunisten beteiligt. Und über all dem schwebt ein  faktischer
Ausnahmezustand: Hunderte von Wahllisten und Medien sind in den letzten zehn Jahren verboten worden, auf Polizeiwachen wird die Folter nach wie vor systematisch eingesetzt, 15 Prozent der Bevölkerung sind von den Wahlen mehr oder weniger ausgeschlossen.

Die beiden im Oktober 2007 ausgestrahlten Radio-Features gehen der  Fragen nach, was es mit diesem Konflikt, in dem sich identitäre Strategien, soziale Kämpfe, militaristische Konzepte, Emanzipationsbewegungen und frankistische Kontinuität auf so eigenartige Weise miteinander  verknüpfen, auf sich hat.

Das literarische Feature „Sprache ist unsere einzige Heimat“ erzählt am Beispiel des baskischen Schriftstellers Joseba Sarrionandia die enge Verbindung von Sprache, Literatur und Politik im baskischen Konflikt. Sarrionandia, der als 1980 ins Gefängnis kam und 1985 auf spektakuläre Weise aus der Haft floh, lebt seit über 20 Jahren im Untergrund und schreibt aus einer doppelt randständigen Perspektive: in einer Minderheitensprache, die nur 500.000 Menschen sprechen und die er im Alltag mit niemandem teilt. Sarrionandia steht exemplarisch für eine  Reihe
von Schriftstellern, die zumindest zeitweise ETA-Aktivisten waren.

Das politische Feature „Das baskische Labyrinth“ untersucht, warum der bewaffnete Konflikt im Baskenland mittlerweile seit 50 Jahren  andauert. In zahlreichen Interviews wird hinterfragt, warum die 2006 aufgenommenen Verhandlungen zwischen der spanischen Regierung und der baskischen Unabhängigkeitsbewegungen in diesem Frühjahr scheiterten.

Dienstagspraxis am 30.10.2007  

Filmscreening und Diskussion:
Wir Ihr
Wie filmt man Kolonialismus?

Au clair de la lune von Leona Goldstein
(Burkina Faso, Côte d´Ivoire, Mali, Marokko, 2005/06)
40 min, OmU

Bauern! von Elke Marhöfer
(Burkina Faso, 2007)
51 min, OmU

Leona Goldstein ist Fotografin und Videoaktivistin, Elke Marhöfer Künstlerin. Beide leben und arbeiten in Berlin. Ihre beiden an diesem Abend vorgestellten Filme sind Dokumente einer nach unterschiedlichen Motiven und Möglichkeiten erlebten Realität in Westafrika.
Leona Goldsteins Au clair de la lune entstand in Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Mali und Marokko. Aus erzählenden Bildern, Statements und Erfahrungsberichten verschiedener ProtagonistInnen entsteht ein differenzierter Kommentar auf die historischen, politischen und symbolischen Beziehungen zwischen Europa und Afrika. Eines der kennzeichnenden Elemente des Films ist, dass zwar der Kamerablick stumm und die im politischen Dokumentarfilm oft notorische Erzählerrolle weitgehend unbesetzt bleibt, andererseits jedoch die unmissverständliche Anrede der ProtagonistInnen an die Zuhörerin „aus dem Norden“ deren Position deutlich markiert und auch thematisiert.
Elke Marhöfers Video Bauern! ist eine Beobachtung von Bauern und Bäuerinnen in Burkina Faso bei der Baumwollernte und eine Aufzeichnung der die Arbeit begleitenden Gespräche um den Alltag, das Ernten, den zu erwartenden Ertrag, die unstabilen Absatzpreise. Aus dem Verhältnis zwischen der fast unveränderten Kameraposition, der Beiläufigkeit der Beobachtung und dem Inhalt der Gespräche entwickelt sich quasi in Echtzeit eine feine Balance aus Distanz und Sympathie.

Für die Beziehungen zwischen Europa und Afrika bedeutet das, was man „Globalisierung“ zu nennen sich abgewöhnt, eine Neuauflage des Kolonialismus. Nicht nur die ökonomischen Beziehungen, auch die Bildpolitik und die symbolischen Beziehungen folgen ungebrochen ausbeuterischen und rassistischen Mustern. Zu den Kontinuitäten gehören aber auch der Widerstand dagegen und das Bemühen um Gegenbilder. In der Diskussion mit den beiden Filmemacherinnen soll es um die unterschiedlichen Motive und Strategien gehen, sich auf diesem Terrain zu bewegen, es zu erweitern oder auch zu verlassen, um die Gefahr des Scheiterns und das Gespenst der Freiheit.

Links: Elke Marhöfer - www.whateverbeing.de/

Leona Goldstein – www.zapanka.net

In Zusammenarbeit mit dem Filmfestival globale, Idee und Moderation: Tobias Hering.
www.globale-filmfestival.org

 


samstagsPraxis, 3. November, 17:30:

Leni Riefenstahl goes Olympia: "Fest der Völker" & "Fest der Schönheit" zur Diskussion

Leni Riefenstahl wird noch immer als eine der herausragenden Regisseurinnen des 20. Jahrhunderts behandelt und gewürdigt. Die von Adolf Hitler ernannte "Reichsfilmregisseurin" schuf selbst den Mythos ihres "politischen Desinteresses", das zu der "damit zusammenhängenden Mitläuferschaft" geführt haben soll. Bis heute werden in der Betrachtung ihrer Filme oft die viel beschworenen technischen Erneuerungen in Kameraführung und Schnitt abgetrennt von Bildsprache und politischer Ausrichtung ihrer Filme. In dieser Lesart erscheint die Riefenstahlsche Ästhetik als reine Formsprache und nicht als politische Kunst, die in perfektionistischer Manier Führerkult, Heroisierung vom Kampf um Leben und Tod und Männlichkeitsideal überhöhte und die Propagandamaschine der Nazis innovativ erneuerte.
An diesem Abend zeigen wir die beiden Olympia-Filme der Leni Riefenstahl, "Fest der Völker" und "Fest der Schönheit". Neben dem Film über den 5. Reichsparteitag "Triumph des Willens" waren es diese Filme, die den internationalen Durchbruch der Riefenstahl ermöglichten. Der saubere, disziplinierte Sport als heroischer Einzelkampf und homogenisiertes Massenereignis zugleich -- ist es genau diese Mischung, die die Filme als noch immer modern und aktuell in ihrer Aus- und Zurichtung erscheinen lassen?
Die Filme werden in eine Einführung in die Geschichte der Olympischen Spiele von 1936 eingebettet, die im nationalsozialistischen Berlin stattfanden und die sich zum vollen Publikumserfolg entwickelten.
Wie immer freuen wir uns über Diskussion danach -- da die Filme lang sind, starten wir schon um 17:30.

 

 

 

 

live*wasser timeline:
erste tests netzine, berlinale form expanded 2007
buchpräsentation rickels, ulrike ottinger basso berlin


veranstaltungsreihe b_books berlin:
30.10. filmscreening + diskussion
WIR IHR, wie filmt man kolonialismus, 2 filme von leona goldstein + elke marhöfer

3.11. fest der spiele, fest der freude #führung durch das olympiastadion, diskussion zu den olympia-filmen von riefenstahl
19.11. raul zelik hoerspiel
2.12. nitzan lebovitz zu michael haneke und zum apokalyptischen in der jüdischen mystik (doppelabend)
10.12. jochen becker,afro digital kit
dezember: das scharnier der macht + sexuell arbeiten

     
buch publikationen
rickels,ulrike ottinger, bereits erschienen
terre thaemlitz, nuisance 393355764X , erscheint im dezember
julien enoka-ayemba, nollywood, erscheint im dezember
  themenlisten
ab dezember
     
   


 
     
 
mit unterstützung des

 

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berlin